Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Bergtouren

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Bergtouren

    Heute war es wieder mal soweit:

    Ich bin an einem Tag zu Fuss rauf und runter vom Bahnhof Garmisch Partenkirchen auf die Zugspitze gegangen. Heute morgen bin ich in München um 6.30 Uhr mit dem Zug losgefahren und war um 8.00 Uhr in Garmisch Partenkirchen.

    Anschliessend ging es via Forsthaus Graseck, Bockhütte, Reintalangerhütte, Knorrhütte und Sonnalpin auf den Zugspitzgipfel. Dieser Weg ist der Leichteste auf die Zugspitze, zugleich aber mit 26 km Länge auch der längste.

    Eigentlich hatte ich ja vor, über das Höllental aufzusteigen, aber weil ein Freund dabei war, der nicht über das Höllental gehen wollte, habe ich umdisponiert. An der Knorrhütte schlossen sich uns zwei 18-Jährige aus Niedersachsen an, die gerade eine Woche Urlaub in Garmisch Partenkirchen machen. Sie waren 1,5 Stunden vor uns in Garmisch losgegangen. Bis zum Sonnalpin hielten sie so einigermassen unser Tempo mit, aber dann brachen sie ein. Sie hatten es völlig unterschätzt bei der intensiven Sonneneinstrahlung über Stunden hinweg Leistung zu geben. Um 15.00 Uhr - nach 7 Stunden Gehzeit - waren wir am Gipfel. Eigentlich will ich ja bei normalem Tempo in 6 Stunden oben sein, aber in Anbetracht der Tatsache, dass große Hitze herrschte und wir durch die beiden 18-Jährigen etwas aufgehalten wurden, war es dann doch noch ok. Aufgrund von Muskelkrämpfen entschloss sich der Freund dann am Zugspitzgipfel die Segel zu streichen und mit der Bahn abzufahren. Ich entschied jedoch weiter zu gehen, da ich für mich persönlich die Zugspitzbesteigung nur werte, wenn ich den gesamten Aufstieg und den gesamten Abstieg ab dem Bahnhof Garmisch Partenkirchen vollständig absolviert habe. Fehlt auch nur ein kleines Teilstück, so ist die Tour ungültig. Ich verliess den Zugspitzgipfel um 16.30 Uhr. Ich ging dann zunächst Richtung Wiener Neustädter Hütte. Durch einige ätzende Schneefelder aufgehalten, bauchte ich bis zur Wiener Neustädter Hütte 2 Stunden, was mich doch etwas geärgert hat. Weiter ging es dann unmittelbar an der Stütze 2 der Tiroler Zugspitzbahn vorbei; danach biegt der Weg nach Norden ab Richtung Eibsee. Um 19.52 Uhr war ich wieder in Deutschland und um 20.42 Uhr am Eibsee. Anschliessend ging es noch 11 km weiter nach Garmisch, wo ich um 22.40 Uhr eintraf. Um 23.04 Uhr fuhr ich mit dem Zug nach München, in dem immerhin 41 Fahrgäste saßen, darunter auch ein paar Frauen, die offenbar auch eine Gewalttour gemacht haben. Um 0.27 Uhr war ich wieder in München Hbf. Insgesamt bin ich heute 48 km gelaufen und mit Gegensteigungen 2500 Hm bergauf und 2500 Hm bergab.

    So eine Bergtour ist schon etwas feines.
    Zuletzt geändert von ThomasK; 15.07.2013, 02:07.

    #2
    Also einmal rauf und runter ist nicht schlecht! Ich bin letztes Jahr auch diese Strecke gelaufen, allerdings hab ich die Variante von deinem Freund bevorzugt und bin mit der Bahn wieder runter der Aufstieg durchs Höllental habe ich mir aber auch noch vorgenommen! Mal schauen obs dieses Jahr noch was wird..

    Kommentar


      #3
      Zitat von Max_Power Beitrag anzeigen
      Also einmal rauf und runter ist nicht schlecht! Ich bin letztes Jahr auch diese Strecke gelaufen, allerdings hab ich die Variante von deinem Freund bevorzugt und bin mit der Bahn wieder runter der Aufstieg durchs Höllental habe ich mir aber auch noch vorgenommen! Mal schauen obs dieses Jahr noch was wird..

      Der Aufstieg über das Höllental ist natürlich der absolute Spitzenklassiker. Meiner Meinung ist der Weg von Hammersbach über die Höllentalangerhütte auf die Zugspitze der SCHÖNSTE Weg in ganz Deutschland. Hier bekommst du alles auf einen Schlag in hochkonzentrierter Form.

      In meinem Leben bin ich schon über 100 Mal zu Fuss auf die Zugspitze gegangen, davon etwa die Hälfte über das Höllental, das letzte Mal vor einer Woche. Gestern bin ich - wie bereits erwähnt - über das Reintal aufgesteigen. Mein Fahrplan via Höllental sieht wie folgt aus:

      Garmisch (708).................... --.-- 8.00
      Hammersbach (748)............. 8.51 8.53
      Stangensteigbrücke (1163).... 9.56 9.57
      Höllentalangerhütte (1381).. 10.32 10.41
      Zugspitze (2962)................ 13.41 13.42
      Zugspitze BZB (2957).......... 13.45 --.--


      Natürlich bin ich da von den Zehen bis zu den Haarspitzen voll motiviert. Die ebene Talstrecke zwischen Garmisch und Hammersbach kann man vergleichen mit dem Zünden der ersten Stufe. Ab Hammersbach geht´s dann nach oben. Bis Höllentalangerhüte ist das die zweite Stufe. Zwischen Höllentalangerhütte und Gipfel ist die dritte Stufe.

      Zum Publikum ist zu sagen, dass sich an der Höllentalangerhütte das Szenario drastisch ändert. Die ganzen Freizeitwanderer mit Turnschuhen und körperdegenerierten Raucher, Kiffer und Alkoholiker sind alle weg, dafür sieht man aber sportlich durchtrainierte ganz natürliche Menschen, die Demut vor der Natur haben. Allzuviele Frauen findet man nicht zwischen Höllentalangerhütte und Zugspitze, aber die wenigen, die dort sind, sind wirklich top. Als ich gestern vom Reintal aus auf die Zugspitze ging und dann auf der Gipfelplattform der BZB stand, sah ich eine ca. 1,80 m große Blondine vom Höllental hochkommen. Topfigur, Topkondition. Ganz entspannt ging sie den Klettersteig ohne sich zu sichern.

      Einer meiner Freunde hat übrigens seine Freundin auch im Höllental kennengelernt. Eine total natürliche Frau ohne jegliche Kosmetik, ohne abgehobenes Tussigehabe. Genauso wie ich lässt sie es im Gebirge "krachen".

      Bevor du das Höllental gehst, kann ich ja nochmal eine detaillierte Routenbeschreibung posten, wenn du magst. Ganz wichtig ist, dass du weißt, dass die Schlüsselstelle nicht das Brett ist, sondern die Randkluft. Zugleich ist die Randkluft auch der Break Even für die Entscheidung im Falle eines Notfalls. Wenn du körperlich zusammenkrachst oder das Wetter umschlägt, was wir nicht hoffen wollen, dann musst du, wenn du die Randkluft noch nicht erreicht hast, unbedingt zur Höllentalangerhütte zurück. Liegt die Randkluft schon hinter dir, dann musst du dich unbedingt zum Gipfel durchkämpfen - koste es, was es wolle.

      Ist das Gewitter aber bereits da, dann ist es absolut lebensgefährlich. Die Wahrscheinlichkeit dann auf dem Klettersteig vom Blitz tödlich getroffen zu werden, liegt etwa bei 10% - 20%. In diesem Fall sollte man sich etwa 30 - 50 Meter vom Klettersteig entfernen und nach einer schützenden Felseinbuchtung Ausschau halten. Ein Weitergehen zum Gipfel ist während eines Gewitters im Sinne der Risikominimierung dann vertretbar, wenn man sich schon auf dem Jubiläumsgrat befindet. Die Randkluft liegt auf 2480 müM; der Gipfel liegt auf 2962 müM, die Höllentalangerhütte auf 1381 müM.

      Wenn aber die körperliche Fitness vorhanden ist, die Arm- und Beinmuskulatur mitspielt und man sicher einen IIer gehen kann und zudem trittsicher und schwindelfrei ist, dann sagt man in Bayern: "Das Höllental ist ein absolutes Schmankerl für den, der´s kann."

      Die schwierigste Stelle ist aber nicht das Brett, sondern die Randkluft. Nach sehr schneearmen Wintern oder sehr heissen Sommern ist die Randkluft zwischen dem Gletscher und dem Fels sehr groß. Aktuell ist die Randkluft kein Problem, da wir einen schneereichen Winter und einen völlig verregneten Mai hatten.

      Hier ein Bild von der Randkluft. Links der Klettersteig, rechts der Höllentalgletscher:

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Randkluft.jpg
Ansichten: 2
Größe: 74,9 KB
ID: 11978134

      Großartig ist dann der Ausblick von der Irmerscharte:

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Eibsee.jpg
Ansichten: 2
Größe: 57,9 KB
ID: 11978136


      Der Weg durch das Höllental auf die Zugspitze ist wirklich absolut fantastisch. Keine Mountainbiker - Nur Fussgänger!

      Kommentar


        #4
        Zitat von ThomasK Beitrag anzeigen

        Der Weg durch das Höllental auf die Zugspitze ist wirklich absolut fantastisch. Keine Mountainbiker - Nur Fussgänger!
        Wenn ich diesen letzten Satz lese, bin ich sehr froh, dass ich mich bisher kaum in den Alpen, dafür um so mehr in anderen Gebirgen herumgetrieben habe: Mountainbiker sind mir da oben noch nie begegnet!

        (Wobei die beiden Fotos schon verlockend sind. )

        Kommentar


          #5
          Wow, Respekt zu der Leistung. Das ist schon eine lange Tour. Das machst du aber regelmäßig oder?

          Kommentar


            #6
            wenn du in münchen wohnst (oder in der nähe) bietet sich für dich doch auch tirol zum wandern an!? was ich dir wirklich empfehlen kann ist das stubaital! (http://thiersee.org/stubaital/)
            im winter natürlich super zum skifahren und snowboarden, im sommer ideal zum wandern. da bietet sich einem eine echt imposante landschaft! und der thiersee ist auch in der nähe (schön zum baden).

            Kommentar


              #7
              okay.. ich seh schon - du kennst dich aus! Sollte ich noch ein paar Tipps brauchen dann weiß ich ja an wen ich mich wenden kann! Ich habe Bekannte in Garmisch und werd mich denen anschließen, wenn die sich mal wieder durchs Höllental begeben. Bei deiner Beschreibung und deiner Begeisterung kann ich mich ja auf jeden Fall schon mal freuen

              Kommentar


                #8
                Zitat von hannah_loves_you Beitrag anzeigen
                Wow, Respekt zu der Leistung. Das ist schon eine lange Tour. Das machst du aber regelmäßig oder?

                Ja, ich liebe das Gebirge über alles und bin im Sommerhalbjahr fast jedes Wochenende drin. Lediglich am nächsten Wochenende bin ich ausnahmsweise in Nordrhein Westfalen. Meine erste Bergtour habe ich im Alter von 12 Jahren gemacht. Zuvor hatte ich mich mit meinen Eltern heftig gestritten, weil die mich erst nicht alleine gehen lassen wollten. Zwar durfte ich bereits mit 8 Jahren ganz alleine durch München fahren, aber alleine durch Deutschland zu fahren und alleine eine Bergtour zu machen durfte ich leider erst mit 12.

                Allerdings hatte mir mein Vater damals Auflagen gemacht. Ich durfte nach alleine nach Garmisch fahren und alleine zum Osterfelderkopf (2050 müM) gehen, aber KEINESFALLS weiter. Er schaute die Wanderzeiten zwischen Garmisch und dem Osterfelderkopf in einem Wanderbuch nach und sagte mir dann, mit welchem Zug ich zurückkommen muss.

                Ich war masslos enttäuscht, denn ich wollte nicht nur alleine eine Bergtour machen, sondern auch auf die Alpspitze (2628 m) gehen und nicht nur auf den Osterfelderkopf.



                Rechts im roten Kringel ist der Osterfelderkopf (2050 m). Bis dorthin durfte ich gehen. ich wollte aber bis zum Gipfel.

                In Garmisch Partenkirchen angekommen hatte ich eine Idee. Bei meiner Bergtour zum Osterfelderkopf gab ich richtig Gas. Ich machte soviel Tempo, dass ich nur etwa die Hälfte der Zeit brauchte, die im Wanderbuch angegeben war. Da hatte ich soviel Zeitreserve, dass ich es mir erlauben konnte, doch noch bis zur Alpspitze durchzugehen. Oben auf dem Alpspitzgipfel hat man eine fantasische Aussicht auf Garmisch Partenkircen, die Zugspitze, die Dreitorspitze, die Ammergauer Alpen und das Estergebirge. Bei klarer Sicht sieht man selbstverständlich auch München.



                Oben auf dem Alpsitzgipfel fühlte ich mich herrlich frei. Ich ging dann via Osterfelderkopf, Hochalm, Kreueck, Hausberg, Bayernhaus, Kochelbergalm wieder zurück zum Bahnhof nach Garmisch und erreichte auch genau den Zug, den mir mein Vater vorgeschrieben hatte. Zu Hause in München angekommen, fragte mich mein Vater, ob ich auf dem Osterfelderkopf gewesen sei. Wahrheitsgemäss antwortete ich, dass ich dort gewesen war und sowohl hin als auch zurück den Weg via Hausberg und Kreuzeck genommen hatte. Mehr habe ich selbstverständlich nicht gesagt.

                Das war immerhin der Durchbruch. Von da an durfte ich dann peu a peu immer mehr machen. Als ich dann 18 war, da gab es kein Halten mehr; da lies ich es dann richtig krachen, weil mir da niemand mehr in die Suppe spucken konnte. Manchal allerdings ging es dann etwas pfiffig zu. Einmal, als ich längst erwachsen war, war es besonders pfiffig. Ich hatte es schon mal vor drei Jahren gepostet; ich kopiere es schnell nochmal hier rein.

                COPY AND PASTE BEGIN

                Ich war mehrmals im Gebirge in ernsten Schwierigkeiten; ich habe ja als begeisterter Bergfex, der im Sommerhalbjahr jedes Wochenende im Gebirge ist, schon etliches erlebt; aber ein Erlebnis war auch für meine Verhältnisse besonders krass. Hier also:

                Ich liebe ja Gewalttouren im Gebirge über alles; sehr oft mache ich mir dann einen Gehfahrplan, den ich versuche auf die Minute genau einzuhalten. Wie im Eisenbahnkursbuch notiere ich mir dann die Streckenkilometer und die Ankunfts- sowie Abfahrtszeiten. Wenn alles exakt so läuft, wie ich mir das vorstelle, d.h. ich an den Berghütten und Gipfeln auf die Minute pünktlich eintreffe ist alles ok; wenn nicht, bin ich sauer.

                Einmal wollte ich die große Alpspitzrunde machen. Hierzu wollte ich von Garmisch zur Bockhütte gehen und dann über Bernadein, Stuiben, Stuibensee und Oberkar auf die Alpspitze gehen; der Abstieg war über das Höllental geplant.

                Gesagt, getan. Bis zur Bockhütte lief alles absolut perfekt; ich hielt den Fahrplan exakt ein. Als ich allerdings immer höher kam, zog sich so ganz allmählich das Wetter zu. Als ich im Bernadein war, fing es an zu tröpfeln; die Gipfel waren alle in Wolken. Ich hätte nun problemlos die Tour abbrechen können, indem ich einfach geradeaus zum Kreuzeck weitergegangen wäre. Von dort aus hätte ich einfach mit der Seilbahn ins Tal fahren und mich in Sicherheit bringen können. Ich hatte mir jedoch vorgenommen, die Tour durchzuziehen und von so ein paar blöden Regenwolken, wollte ich mich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Außerdem gilt mein Standardsatz: "Fahrplan ist Fahrplan, da gibt´s gar nichts!" Obwohl es klar war, dass das Wetter nun kippt, bog ich also nach links ab und ging schnurstraks in Richtung Hochgebirge.

                Für meine Uneinsichtigkeit sollte ich jedoch teuer bezahlen! Als ich mich dem Stuibensee, der ganz malerisch auf 1900 m Seehöhe liegt und bei schönem Wetter ein absolut großartiges Ziel ist, näherte, ging alles plötzlich ganz ganz schnell. Innerhalb von Minuten stand ich im Nebel und konnte gerade noch ca. 1 - 2 Meter weit sehen. Der Regen wurde stärker und es kühlte deutlich ab; man nennt so etwas auch Wettersturz! Obwohl es Ende September war, wandelte sich der Regen plötzlich in Hagel um; ich stand da mit meiner dünnen Sommerjacke; das tut ganz schön weh, wenn der Hagel auf den Kopf knallt. Zähneknirschend und stocksauer sah ich dann doch ein, dass es unter diesen Umständen nicht möglich war, die Tour weiterzugehen. Ich hatte nun zwei Möglichkeiten:

                Entweder ich gehe zurück; in diesem Fall bräuchte ich 4 Stunden um wieder zurück nach Garmisch zu kommen. Oder aber ich biege nach rechts ab und gehe über den Nordwandsteig zum Osterfelder, von wo aus ich mit der Seilbahn zurückfahren kann: Zum Osterfelder käme ich dann etwa in 1,5 Stunden. Dazu müsste ich aber mitten im Nebel den Abzweig nach rechts finden und zudem muss ich zunächst noch bis auf 2200 m Seehöhe bis zur Alpspitzschulter bergauf gehen, weil erst dort der Nordwandsteig zum Osterfelder erreichbar ist.

                Ich entschied mich zum Osterfelder zu gehen, so dass es zunächst noch weiter bergauf ging; da das Wetter erbarmungslos zuschlug, schaltete ich um auf ABSOLUTE VOLLLAST, d.h. ich lief bergauf so schnell ich konnte. Als Bergsportler jagte ich meinen Puls jetzt auf etwa 200.

                Auf einmal ein Riesenschreck: Es blitzte! Ein Gewitter im Hochgebirge - dann ist der Spaß SOFORT vorbei! Jedes noch so heftige Gewitter im Flachland ist im Vergleich zum Gewitter im Hochgebirge totaler Kindergartengeburtstag! Gewitter im Hochgebirge bedeutet automatisch absolut höchste Lebensgefahr. Die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden liegt bei ca. 10 - 20 %. Nach dem Blitz schaute ich SOFORT auf meine Funkuhr! Der Donner kam 12 Sekunden nach dem Blitz; da sich der Schall mit ca. 330 Meter / Sekunde bewegt bedeutete dies, dass der Blitz 4 Kilometer von mir entfernt war. Ich lief und lief und lief, doch die Abzweigung kam und kam nicht. Wieder blitzte es; der Donner kam jetzt 8 Sekunden nach dem Blitz: Scheiße, Scheiße, Scheiße! Jetzt war der Blitz nur noch 2,7 Kilometer entfernt! Der Wind haute mir meinen heißgeliebten Bergsteigerhut vom Kopf, so dass ich wutentbrannt 30 Sekunden hinter ihm im Sturm herlaufen musste, um ihn wieder einzufangen! Ich nahm ihn jetzt fest in die Hand und verzichtete darauf ihn erneut aufzusetzen; jetzt knallte mir der Hagel direkt auf meinen Kopf!

                Die Wahrscheinlichkeit, dass du hier wieder lebend raus kommst, liegt nur bei 80 - 90% schoß es mir durch den Kopf. Ich wurde nervös, weil ich die Abzweigung nicht sah. Auf einmal riss für einige Sekunden im Sturm die Wolkendecke auf und ein riesiger Schrecken packte mich: Ich hatte die Abzweigung verpasst und lief durch das Grieskar nun schnurstarks auf die Grieskarschrte zu, die in 2461 m Seehöhe direkt auf dem Gipfelgrat zum Alpspitzgipfel liegt. Und Gottes Willen! Am Gipfelgrat im Gewittersturm bei Hagel! Die Wahrscheinlichkeit am Gipfelgrat auf der Eisenleiter getroffen zu werden liegt bei etwa 20% - also absolut höchste Lebensgefahr. Ich war jetzt auf ca. 2350 m Seehöhe mutterseelen allein. Kein Mensch weit und breit. Was tun? Wieder blitzte es; der Donner kam nach 3 Sekunden! Nur noch ein Kilometer war der Blitz entfernt. So schnell ich konnte, lief ich zurück; wieder blitzte es - der Donner kam nach 2 Sekunden; nur noch 660 Meter! Da sah ich ein, dass ich keine Chance mehr hatte dem Gewitter zu entkommen - ich musste mir was anderes überlegen. Da fiel mir das physikalische Gesetz des Faradayschen Käfigs ein; ich musste einen Felsvorsprung finden, wo ich wenigstens ein bisschen geschützt war. Es hagelte nun und goss aus allen Kübeln. Nun sah ich zwar einen kleinen Felsvorsprung - dummerweise floss nun ein kleiner Gebirgsbach dadurch. Du hast keine Wahl, du musst dich in das eiskalte Wasser, was kaum mehr als 14 Grad hat und etwa 20 cm tief war, reinlegen. Ich flüchtete also zu dem kleinen Felsvorspung und lag halb im kalten Wasser. Auf einmal merkte ich, wie sich meine Haare aufrichteten und ich ein unangenehmes Kribbeln spürte. Ein paar Sekunden später sah ich ca. 20 Meter vor mir einen gleißend hellen Punkt und einen Blitzstrahl der etwa 3 cm Durchmesser hatte. Im selben Moment ein so extrem lauter Donnerknall, dass ich dachte, jetzt stürzt die ganze Felswand über mir zusammen. Ca. 20 Meter vor mir sprangen ein paar Geröllsteine einige Dezimeter weit! Ich ächste und drückte mich an die Felswand. Ich bibberte und mein Körper sehnte sich so sehr nach Wärme, die er aber nicht bekam. "Hoffentlich ist das verfluchte, verdammte, scheiß Gewitter endlich bald vorbei!" fluchte ich. Mein einziger Freund war meine heißgeliebte Funkuhr, die mir die Zeit exakt anzeigte! Nun, ich musste noch 20 Minuten, die mir vorkamen wie 20 Stunden, noch in diesem Wasser liegen - dann endlich war das Gewitter vorbei. Bibbernd und erbärmlich frierend schleppte ich mich auf den Wanderweg zurück! Mit weißen Socken war ich morgens gestartet, jetzt waren sie grau/schwarz. Meine Klamotten hatten sich vollgesogen mit ca. 3 Litern Wasser, so dass ich kaum gehen konnte.

                Ich rechnete genau nach: Du brauchst jetzt noch gut 4 Stunden bis nach Garmisch; dann dauert es noch einmal 2 Stunden ehe du deine Wohnungstür in München aufschließt; bis du also in der Badewanne sitzt, muss der Körper noch über 6 Stunden frieren und bibbern - lecko mio! Meine Klamotten waren so voll Wasser vollgesogen, dass das Gehen extrem schwerfiel. Aber mein Körper, der ja durch die Gewalttouren im Gebirge im Sommer und durch die exzessiven Saunagänge im Winter einiges gewohnt ist, kämpfte! Irgendwann waren auch die 4 Stunden vorbei; schliesslich stieg ich wie eine halbe Leiche in den Zug nach München ein. Als ich dann in München die Wohnungstür aufschloss, zog ich mich im Hausflur splitternackt aus und legte die Klamotten vor der Wohnungstüre ab. Dann ging ich nackt in die Wohnung um mir eine Plastiktüte zu holen in die ich die Klamotten stecken konnte. Als ich dann im Hausflur nackend die Klamotten in die Tüte steckte, kam meine Nachbarin vorbei. Zuerst guckte sie verdutzt und grüße mich sehr freundlich und amüsierte sich köstlich über mich. "Gab es bei deinem Fahrplan eine Betriebsstörung?" erkundigte sie sich freundlich. "Naja, es lief etwas suboptimal!" antwortete ich etwas verlegen. Am liebsten wäre ich vor Scham in ein Mauseloch gekrochen.

                Zu meiner großen Freunde steckte der Körper alles weg - keine Erkältung, keine Grippe; es kam gar nichts. Am nächsten Morgen war alles wieder völlig ok und so wie immer! Nur meine verbeulten Halbschuhe brauchten 4 Tage bis sie wieder trocken waren!

                Als ich ein paar Tage später meine Eltern besuchte und ihnen vom Missgeschick berichtete, fielen sie aus allen Wolken. "Hast du denn völlig den Verstand verloren? Wie kannst du denn, wenn du siehst, dass das Wetter umkippt, dann noch ins Hochgebirge rennen?" meinte meine Mutter empört. "Du kennst doch mein Motto: Fahrplan ist Fahrplan, da gibt´s gar nichts!" antwortete ich ihr grinsend!

                COPY AND PASTE END

                Normalerweise bin ich ja ein zurückhaltender Mensch und kein Draufgänger. Das bezieht sich auf fast alle Dinge; egal ob Frauen, Planungen oder was auch immer. Zwei Ausnahmen gibt es allerdings: Gebirge und Sauna! Ein langjähriger Freund sagt immer zu mir, das ich mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90% keines natürlichen Todes sterben werde. Wenn ich im Sommerhalbjahr sterbe, dann hat es einen Zwischenfall im Gebirge gegeben und wenn ich im Winterhalbjahr sterbe, dann habe ich einen Herzschlag bei meinen übertriebenen Saunagängen bekommen. 67 Minuten bei 100 Grad am Stück habe ich schon geschafft; das Projekt "Fussball-Sauna" noch nicht. Fussball-Sauna bedeutet: 45 Minuten bei 100 Grad, dann 15 Minuten im Tauchbecken und dann wieder 45 Minuten bei 100 Grad.
                Angehängte Dateien

                Kommentar


                  #9
                  auf die Zugspitze rauf und runter ist schon eine ganze Menge . Ich gehe sehr oft in der Schweiz mit meinem Opa wandern. Der kennt sich dort sehr gut aus und hat mit mir schon einige Touren die von knapp 400 Meter auf über 2500 Meter hochgingen. Mir macht das Bergwandern richtig viel Spass jetzt muß nur noch mein Schatz mitgehen für den sind unsere Touren einfach noch zu schwer - vielleicht trägt ihm Opa auch mal seinen Rucksack.
                  Wie du siehst gefällt es auch Mädchen, die sich sonst gerne schminken , im Hochgebirge.

                  Kommentar


                    #10
                    Ich mag es draussen in der Natur zu sein und mich da auch sportlich etwas auszutoben. Gerade die Berge sind eine schöne Umgebung und vermitteln das Gefühl von Freiheit.

                    Ich war zum Klettern schon in Cinque Terre, im Hegau und im Blautal, aber es waren immer nur Einseiltouren in niedrigeren Schwierigkeitsgraden. Ich weiss jetzt nicht bis zu welchem Grad, aber Überhänge habe ich noch nicht geschafft.

                    In die Alpen fahre ich zum Snowboarden und Ski fahren und mag da gerne sehr hoch gelegene Wintersportgebiete wie z.B. die Jungfrau-Region mit anspruchsvollen Pisten, die auch im April noch schneesicher sind wenn das Wetter viel besser ist als mitten im Winter.

                    Früher bin ich regelmässig mit dem Mountainbike auf den Schiener Berg gefahren. Die Herausforderung dabei war die Bergstrecke ohne Pause zu fahren, die Belohnung war der tolle Blick auf den Bodensee vom Aussichtsparkplatz und die anschliessende lange Abfahrt nach Öhningen, bei der ich meinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord von 82 km/h aufgestellt habe. Auf dem Fahrrad kommt einem diese Geschwindigkeit verdammt schnell vor!

                    Mit Freunden bin ich öfter im Runyon Canyon "gewandert", wobei wir aber nicht dem Serpentinenweg gefolgt sind, sondern den Berg in gerader Linie hoch gelaufen sind. Hier galt es als verpönt, die Hände zu Hilfe zu nehmen und wir haben öfter Zwischenspurts eingelegt, was bei gerade bei hohen Temperaturen schon extrem anstrengend ist.
                    Zuletzt geändert von metallicafan; 29.07.2013, 21:40.

                    Kommentar


                      #11
                      Zitat von Max_Power Beitrag anzeigen
                      okay.. ich seh schon - du kennst dich aus! Sollte ich noch ein paar Tipps brauchen dann weiß ich ja an wen ich mich wenden kann! Ich habe Bekannte in Garmisch und werd mich denen anschließen, wenn die sich mal wieder durchs Höllental begeben. Bei deiner Beschreibung und deiner Begeisterung kann ich mich ja auf jeden Fall schon mal freuen


                      Also ich war heute erneut auf der Zugspitze. Diesmal bin ich allerdings den Klassiker über das Höllental aufgestiegen und nicht - wie vor zwei Wochen - über das Reintal.

                      Der kritische Bereich im Höllental ist der Höllentalferner und die dazugehörige Randkluft. Aufgrund des völlig verregneten Mais konnte man bis letzte Woche super über den Höllentalferner hochgehen. Auch die Randkluft war zu, weil es auf 2480 m Seehöhe im Mai nochmal reingeschneit hat.

                      Inzwischen hat sich aber das Blatt gedreht und zwar ganz gewaltig. Aufgrund des viel zu heissen Julis sind die ganzen Wächten weggemolzen wie Butter in der Sonne; die Randkluft heute hatte eine Spaltenbreite von ca. 1,30 m. Nun kann man zwar 1,30 m noch überspringen, aber man muss sich da schon sehr konzentrieren. Meine Schmerzgrenze liegt bei ca. 1,50 m Spaltenbreite. Auf dem Höllentalgletscher sieht man inzwischen jede Menge Gletscherspalten und eine Menge Firn. Zwar kann man ihn noch gut umgehen und bei der Umgehung hat man noch einen guten Tritt, so dass heute noch keine Steigeisen erforderlich waren. Mich hat geärgert, dass heute in Hammersbach am Eingang ein Schild stand "Steigeisen erforderlich". Wenn man bei jeder Pipfaxeisplatte gleich nach Steigeisen schreit, dann nimmt doch niemand mehr diese Hinweise ernst, weil dann jeder sagt, dass die immer schreiben, dass Steigeisen oder wenigstens Grödeln erforderlich seien.

                      Vor ein paar Jahren habe ich das auch nicht ernst genommen, sodass ich dann am Höllentalferner nicht weiter kam. Glücklicherweise hat sich damals eine tschechische Seilschaft bereit erklärt mich ans Seil zu nehmen. Man band mir einen Knoten um den Bauch und zusätzlich bekam ich zwei Pickel, damit die mich nicht hochziehen mussten. Meine Füsse rutschten ja völlig durch. Nach dem Ende des Gletschers habe ich denen dann 10 € gegeben und mich bedankt.

                      Heute war u.a. eine chinesische Seilschaft unterwegs, was mich sehr gefreut hat. Da haben die Chinesen Achttausender und kommen nach Deutschland um den Klassiker Höllental zu erleben. Die Chinesen sprachen davon, dass der Weg durch das Höllental auf die Zugspitze der mit Abstand schönste Weg in Deutschland ist. Nicht schlecht, sich dafür 2 * 9000 km ins Flugzeug zu setzen. Ich brauche bloss 100 km mit dem Zug zu fahren. Überhaupt ist der Weg durch das Höllental extrem international. Russen, Amerikaner, Briten, Niederländer, Franzosen, Spanier, Italieer, Polen und Tschechen sieht man dort. Ich war ja in meinem Leben schon über 100 Mal zu Fuss auf der Zugspitze, davon mehr als 50 Mal via Höllental.

                      Ich selbst schätze die Situation so ein, dass du, wenn du noch im August hochgehen willst, bei der anhaltenen Hitzewelle noch ein Zeitfenster von vielleicht 14 Tagen hast. Aber ab Mitte August wären bei anhaltenden Hitzewelle in jedem Fall Steigeisen erforderlich. Auch kann man dann wahrscheinlich die Randkluft nicht mehr so ohne weiteres überspringen. Ich habe heute den unteren Einstieg zum Klettersteig gewählt, weil ich befürchtete, am oberen Einstieg am Firn beim Absprung auf dem Höllentalgletscher wegzurutschen.

                      Heute war ein extrem heisser Sommertag. In Garmisch Partenkirchen hatte es 34 Grad und auf dem Zugspitzgipfel sensationelle 16 Grad. Wenn man bedenkt, dass der Zugspitzgipfel das Klima von Spitzbergen hat und im Winter -25 Grad völlig normal sind, dann weiß man, was heute Sache war. Ich habe heute erstmal bei einer Zugspitzbergtour meine Jacke in München gelassen und bin nur im kurzärmeligen T-Shirt hochgelaufen. Es war sehr heisss. Aufgrund der schwülen Hitze habe ich das Tempo gedrosselt und habe vom Bahnhof Garmisch via Hammersbach, Stangensteig, Höllentalangerhütte 6:30 Stunden bis zum Zugspitzgipfel gebraucht. In Garmisch ging ich am Bahnhof um 8.15 Uhr los und war um 14.45 Uhr auf dem Zugspitzgipfel. Oberhalb des Gletschers habe ich 40 Leute überholt.

                      Die Seile auf dem Klettersteig hat man zwischen der oberen Irmerscharte und dem Jubiläumsgrad erst kürzlich erneuert. Manche Stahlseile haben einen Durchmesser von ca. 20 mm, was ich als sehr großzügig bemessen ansehe, wenn man z.B. bedenkt, dass die Tragseile der Eibsee Seilbahn 46 mm Durchmesser haben.

                      Als ich am Münchner Haus auf dem Zugspitzgipfel die Wettervorhersage für den Nachmittag und Abend gelesen habe, beschloss ich meinen Abstieg zu beschleunigen. Angekündigt waren für den Nachmittag Quellwolken und für den Abend teils kräftige Gewitter aufgrund der hohen Temperaturen bzw. Temperaturdifferenzen. Ich verliess den Zugspitzgipfel um 15.40 Uhr. An der Wiener Neustädter Hütte war ich um 17.28 Uhr. Ich muss sagen, dass ich enttäuscht war, wie sehr man den Weg verlottern lässt. Etliche Seilsicherungen fehlen und in manchen Bereichen muss an sich ohne Seile in einer 30 Grad geneigten Sandreisse selbst den Halt suchen. Bei den zahlreichen lockeren Steinen ist es unerlässlich vor jedem Schritt die Festigkeit des Steines zu prüfen, was einiges an Zeit kostet. Wenn man am Zugspitzkamm knapp unterhalb des Zugspitzgipfels steht, dann sieht man die Wiener Neustädter Hütte zum Greifen nah unter sich liegen (Luftlinie ca. 1100 Meter). Man kann es kaum glauben, dass man für diese 1100 m Luftlinie mehr als 1,5 Stunden braucht und sich dabei auch noch konzentrieren muss. An der Wiener Neustädter Hütte habe ich 12 Minuten pausiert; um 17.40 Uhr ging ich dann weiter; um 17.53 Uhr unterquerte ich die Stütze 2 der Tiroler Zugspitzbahn und um 19.04 Uhr war ich wieder in Deutschland. Um 19.54 Uhr war ich am Eibsee. Wie auch bei letzten Mal bot mir ein Autofahrer an, mich nach Garmisch mitzunehmen, was ich allerdings ablehnte. Eine Zugspitzbesteigung ist für mich erst dann erfolgreich, wenn ich die Strecke Bf Garmisch - Zugspitzgipfel - Bf Gamisch vollständig zu Fuss mache. Um 20.49 Uhr war ich wieder in Hammersbach, wo ich am morgen zur Zugspitze abgebogen bin und um 21.48 Uhr war ich am Bahnhof Garmisch, so dass ich den Zug um 22.04 Uhr nach München bequem erreicht habe. Letztes mal hatte ich ja den Zug um 23.04 Uhr genommen. Aber wegen der angekündigten Wärmegewitter habe ich meine Tour heute etwas beschleunigt. Die Gewitter traten dann aber doch nicht ein, wenngleich es zwischenzeitlich sehr windig war, was mir insbesiondere am Klettersteig zur Wiener Neustädter Hütte einige Probleme bereitete.

                      Auf der Zugfahrt nach München bin ich immer wieder weggepennt. Aber es ist sehr angenehm in den Doppelstockwagen zu pennen, da sie eine sehr große Laufruhe haben. Sehr erfreut war ich, dass im Zug wiederum sehr viele Bergsteiger waren. Ich habe zwar nicht gezählt, aber es waren nach Augenschein eher 150 Fahrgäste als 100 Fahrgäste. Viele haben auch eine Bergtour in Mittenwald, Scharnitz oder Seefeld gemacht, denn als ich in Garmisch auf dem Bahnsteig stand und den einfahrenden Zug beobachtete, saßen bestimmt schon 50 Fahrgäste im Zug - eher mehr. Aber mit Bayernticket und Werdenfelsticket macht ja Bahnfahren auch Spass.

                      Wie gesagt - eine schöne Bergtour, innerhalb von einem Tag den gesamten Aufstieg und Abstieg auf die Zugspitze zu Fuss zu machen. Heute waren wieder sehr viele Leute auf der Zugspitze. Da an der Eibsee Seilbahn eine Wartezeit von 2 Stunden herrschte, brauchten die Fahrgäste zusätzlich noch zu ihren Fahrkarten Platzkarten, in welcher die Reservierung für die einzelnen Fahrten eingetragen war. Dadurch vermied zwar die Bayerische Zugspitzbahn Warteschlagen und Gedränge, aber der Unmut einiger Fahrgäste über die Wartezeit war ihnen deutlich anzusehen. An solchen Tagen wie heute sind 2 Stunden Wartezeit aber völlig normal. Ich habe auch schon 3 Stunden Wartezeit erlebt.

                      Für das nächste Wochenende überlege ich mir die große Alpspitzrunde zu machen oder auch die große Allgäurunde.

                      Ich weiß jetzt nicht, wie du konditionell unerwegs bist, aber ich würde dir den Tipp geben, Auf- UND Abstieg zu machen; ggf. auch mit Übernachtung, wenn du das nicht innerhalb von 13 - 14 Stunden machen willst.

                      Ich persönlich verzichte auf die Hüttenübernachtungen, weil mir die Schnacherei und der Fusskäse, wenn 20 Leute in einem Matratzenlager übernachten, auf den Wecker gehen. Wenn Leute im Matratzenlager Sex haben, ist mir das egal, weil das hört ja nach 15 Minuten auf. Aber die Schnarcherei und der Fusskäse bleiben die ganze Nacht. Da gehe ich dann lieber Mehrtageshüttentouren an einem einzigen Tag, als mir so eine Scheisse nochmals anzutun.

                      Kommentar


                        #12
                        Zitat von ThomasK Beitrag anzeigen
                        Heute war u.a. eine chinesische Seilschaft unterwegs, was mich sehr gefreut hat. Da haben die Chinesen Achttausender und kommen nach Deutschland um den Klassiker Höllental zu erleben.

                        Das hab ich auch in Pakistan erlebt!

                        Da haben die dort das faszinierende Karakorum mit dem zweithöchsten Berg der Welt (dem K2 mit 8.611m) - und finden das total uninteressant. "Was willst du denn dort?", haben sie mich immer ganz ungläubig gefragt. "Ihr habt doch viel schönere Berge: die Alpen!"

                        Jaja, so isses halt: Das, was man zu Hause hat, weiß man immer am wenigsten zu schätzen.

                        Kommentar


                          #13
                          Zitat von Tanzender_Hammerhai Beitrag anzeigen
                          Das hab ich auch in Pakistan erlebt!

                          Da haben die dort das faszinierende Karakorum mit dem zweithöchsten Berg der Welt (dem K2 mit 8.611m) - und finden das total uninteressant. "Was willst du denn dort?", haben sie mich immer ganz ungläubig gefragt. "Ihr habt doch viel schönere Berge: die Alpen!"

                          Jaja, so isses halt: Das, was man zu Hause hat, weiß man immer am wenigsten zu schätzen.

                          Die Achttausender wären für mich nichts.

                          Das Maximum, was bei mir wohl möglich wäre, ist der Aconcagua, aber dann auch nur auf dem Normalweg von Norden, der eine I+ ist. Mit einer vernünftigen Akklimatisierung und einem vernünftigem Gehtempo sollte das machbar sein.

                          Allerdings muss dann auch das Wetter mitspielen. Gerade auf über 6000 Meter Höhe, kann das Wetter blitzschnell umschlagen. Wegen 0,88237^6,962 * 1013,25 = 424 beträgt der Luftdruck auf dem Gipfel gerade mal noch 424 hPa bei normaler Wetterlage; er liegt also unter der kritischen Grenze von 500 hPa, bei dem der Redundanzfaktor von 2 im menschlichen Körper aufgebraucht ist.

                          Da bleibe ich lieber in den Alpen bei den Viertausendern, wenngleich der Aconcagua durchaus reizvoll wäre, wie ich zugeben muss.

                          Kommentar


                            #14
                            Zitat von ThomasK Beitrag anzeigen
                            Die Achttausender wären für mich nichts.
                            Die Achttausender kann man doch auch ganz entspannt aus reichlich 5.000m genießen!

                            Hatte da schon grandiose Ausblicke auf Mt. Everest, K2, Kangchendzonga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Nanga Parbat.

                            Und für Eisenbahnfans sehr zu empfehlen: Fahrt mit der Schmalspurbahn (UNESCO-Weltkulturerbe) nach Darjeeling und dann frühmorgens bei Sonnenaufgang Blick vom Tiger Hill!

                            http://en.wikipedia.org/wiki/Darjeel...alayan_Railway
                            Zuletzt geändert von Tanzender_Hammerhai; 31.07.2013, 02:07.

                            Kommentar


                              #15
                              (Teil 1)

                              In den letzten zwei Wochen habe ich wieder jede Menge toller Bergtouren - darunter auch ein paar Gewalttouren - absolviert. Ich werde allerdings jetzt nicht alle Touren schildern, sondern nur die lustigsten und interessantesten Dinge erzählen.

                              Wer auf mein Avatar guckt, weiß ganz genau wo ich - wieder einmal war - in Zermatt.

                              Bereits die Anreise nach Zermatt war lustig. Überall ertönten in Zermatt Alphörner. Es wurde ein neuer Weltrekord aufgestellt. 508 Alphornbläser waren gleichzeitig mit ihren riesigen Alphörnern alle auf dem Gornergrat (3089 m). Das längste Alphorn hat eine Länge von über 40 Metern. Die meisten Alphörner sind ca. 12 Meter lang. Im ganzen Talkessel hörte man die Alphornbläser. Zu den Tönen wurden Schweizer Flaggen geschwungen.

                              Zahlreiche Male war ich auf dem Gornergrat (3089 m), auf dem Oberrothorn (3415 m) und auf der Hörnlihütte (3260 m).

                              Am Gornergrat erlebte ich gleich zwei skurrile Erlebnisse, die unterschiedlicher nicht sein können. Als ich beim ersten Mal bergab ging, kippte das Wetter um. Als es anfing zu regnen und zu gewittern, war ich gerade auf Höhe von Giftihittli auf 2935 m Höhe. Giftihittli ist ein typischer Begriff aus dem oberwalliser Deutsch. Nun fährt zwar die Gornergratbahn, eine Zahnradbahn, die von Zermatt (1605 m) in einer Streckenlänge von 9339 m und einer Steigung von bis zu 20% auf den Gornergrat führt, unmittelbar an Giftihittli vorbei, hält dort aber nicht. Ich war also gezwungen an Giftihittli Gas zu geben und unmittelbar neben den Gleisen (die Gornergratbahn ist in diesem Bereich zweigleisig) zum nächsten Haltepunkt bergab zu laufen. Sehr, sehr gerne wäre ich bis zum Bahnhof Riffelberg (2582 m) gekommen, weil man dort eine sehr gute Infrastruktur hat mit Hotel, Restaurant, Bar und Wartehalle, so dass man sich dort sehr gut unterstellen kann. Doch der Weg dorthin war in 2 - 3 Minuten niemals zu schaffen. In der Kürze der Zeit schaffte ich es entlang den Gleisen der Gornergratbahn nur zum Haltepunkt Rotenboden (2818 m).

                              Rotenboden ist aber nur ein Haltepunkt der Gornergratbahn mitten in der Natur. Auf Rotenboden gibt es nur ein kleines WC-Häuschen zum Unterstellen. Ich rannte also zum WC-Häuschen.


                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Rotenboden.jpg
Ansichten: 1
Größe: 99,6 KB
ID: 11979015

                              Das ist die Infrastruktur an Rotenboden (2818 m). Über 30 Personen drängelten sich bei dem Gewitter in das WC-Häuschen. Sehr gefreut hat mich die super Kooperationen der Menschen. Im WC-Häuschen waren Japaner, Koreaner, Chinesen, Engländer, Franzosen, Italiener, Russen, Schweizer und Deutsche. Keiner war egoistisch. Die Menschen rückten noch mehr zusammen, damit jeder vor dem Gewitter Zuflucht finden konnte. Zwei Mädchen standen auf den Klobrillen der Männertoilette und die Männer standen neben der WC-Schüssel im Frauen-WC. Kein einziger zickte rum! Ich war richtig glücklich, wieder einmal zu sehen, welch natürliche Menschen im Hochgebirge unterwegs sind. Kooperativ, nicht ehrenkäsig und kosmopolitisch unterwegs. Von konservativen Kleingeistern weit und breit keine Spur!

                              Da die Gornergratbahn alle 24 Minuten fährt, entschieden sich dann die meisten mit der nächsten Bahn nach Zermatt zu fahren. "Hoffentlich kommt die Bahn pünktlich!", meinte einer. "Selbstverständlich wird die Bahn pünktlich kommen!", antwortete ich, "Wir sind hier in der Schweiz und nicht in Deutschland. Auf der Anzeige steht, dass die nächste Bahn nach Zermatt um 16.24 Uhr fährt und die nächste Bahn zum Gornergrat um 16.28 Uhr. Wir sind im Land der Eisenbahnprofis."

                              Wie erwartet tauchte bei Gewitter um 16.22 Uhr die Zahnradbahn hinter der Kurve auf und hielt kurze Zeit später mitten in der Natur am Haltepunkt Rotenboden. Fast alle anderen verliessen fluchtartig das WC-Häuschen und steckten ihre Fahrkarten in den Scanner. Pünktlich um 16.24 Uhr fuhr die Gornergratbahn ab. "Fahrplan ist Fahrplan, da gibt´s gar nix!" dachte ich glücklich. Als Bergfex bin ich selbstverständlich noch nach Zermatt zu Fuss gegangen.

                              Ein paar Tage später hatte ich - fast an der selben Stelle - wieder ein skurriles Erlebnis. Diesmal war allerdings strahlender Sonnenschein; keine einzige Wolke am Himmel. Beim Aufstieg auf den Gornergrat sah ich zwischen Giftihittli und Gornergrat ca. 50 Meter unterhalb des Bahnhofes Gornergrat eine Frau - mir verschlug es fast die Sprache - die in High Heels von Gornergrat neben der Bahn Richtung Zermatt bergab ging. "Wo soll es denn hingehen?" , fragte ich die Frau, die etwa Anfang bis Mitte Zwanzig war. "Nach Zermatt." antwortete sie. "Na, dann viel Spass!" grinste ich. Im Stillen dachte ich mir, dass die niemals bis nach Zermatt kommen wird. Ich ging dann noch die paar Meter weiter zum Gornergrat und danach über den Grat nach Hohtälli (3286 m). Dort unterhielt ich mich mit Seilbahnmitarbeitern, die die Pendelbahn Gant - Hohtälli, die nur im Winter fährt, einer Revisioin unterzogen. Später ging ich dann über den Grat zurück und dann neben der Gornergratbahn weiter Richtung Rotenboden. Kurz unterhalb von Giftihittli sah ich dann die High Heel - Gängerin erneut. Sie war in einer guten Stunde etwa einen Kilometer weit gekommen.

                              "Hallo, wen sieht man denn da?" sprach ich sie fröhlich an.

                              "Oh, man ist das ein scheiss Weg!" fluchte sie. "So einen Scheissdreck habe ich ja noch nie erlebt!"

                              "Lass mich raten. Du kommst wahrscheinlich aus einem Gebiet, wo es keine Berge gibt." grinste ich.

                              "Ich komme aus Schleswig Holstein.", sagte sie.

                              "Ich habe gerade ausgerechnet, dass du zu Fuss jetzt noch ungefähr 11 Stunden bis nach Zermatt brauchen wirst. Dann wird es nachts 3 Uhr sein." , meinte ich.

                              "Kann mich nicht ein Hubschrauber abholen?" fragte sie.

                              "Theoretisch denkbar, aber dann musst du die 3000 Franken für deine Rettung selbst bezahlen.", antwortete ich ihr. "Du hast jetzt noch 600 Meter bis zur Haltestelle Rotenboden. Dafür wirst du etwa 35 - 40 Minuten brauchen. Von dort kostet die Talfahrt nach Zermatt 36 Franken; mit Halbtax 18 Franken. Das ist ungleich billiger als das Abholen mit einem Hubschrauber."

                              Wenn ich sie bis Rotenboden getragen hätte, dann wären wir wesentlich schneller dort gewesen, aber ich verzichtete darauf ihr das Angebot, sie bis dorthin zu tragen, zu machen. Ich verabschiedete mich von ihr und sagte ihr, dass sie mich wahrscheinlich an der Riffelalp mit der Zahnradbahn überholen wird. Ich ging dann alleine weiter, denn ihr extrem langsames Tempo machte mich völlig wahnsinnig. Ich kam dann alleine zuerst nach Rotenboden (2818 m), dann nach Riffelberg (2582 m) und dann nach Riffelboden (2348 m). Danach kam ich am Hotel Riffelalp (2222 m) vorbei und folgte dem Gleis der Akkustraßenbahn zum Bahnhof Riffelalp (2214 m) der Gornergratbahn.

                              Ich war um 17.05 Uhr am Bahnhof Riffelalp. Nun rechnete ich nach. Ich hatte sie um 16.07 Uhr verlassen. Sie wird also mit Sicherheit die Bahn um 16.24 Uhr ab Rotenboden verpassen, aber die Bahn um 16.48 Uhr sollte sie erreicht haben. Da ich den Fahrplan im Kopf hatte, wusste ich, dass der Zug, der ab Rotenboden um 16.48 Uhr fährt, an der Riffelalp um 17.08 Uhr - also in 3 Minuten - sein wird. Normalerweise wäre ich einfach weitergegangen, aber meine Neugierde war dann doch zu groß, um zu sehen, ob sie nun tatsächlich in der Bahn sitzt. Ich wartete also am Gleis die 3 Minuten bis 17.08 Uhr ab. Tatsächlich saß sie in der Bahn und sah mich sogleich.

                              "Jetzt bin ich aber schneller als du!" rief sie mir schadensfroh durch das geöffnete Fenster zu.

                              "Dafür weisst du jetzt, dass man nicht mit High Heels ins Gebige geht!" meinte ich.

                              Fröhlich setzte ich meinen Weg nach Zermatt fort.

                              Das nächste tolle Erlebnis hatte ich zwischen Schwarzsee und Hörnlihütte. Nun muss man wissen, dass am 24.08. in Zermatt ein Berglauf stattfand, bei dem auch zahlreiche Bergprofis teilnahmen. Diese Leute sind natürlich absolute 1A-Liga. Ich bin zwar im Gebirge sehr gut, aber gegen Profis habe ich natürlich keine Chance. Am Sonntag, 25.08.2013 wollte ich von Zermatt zur Hörnlihütte (3260 m) gehen und für mich persönlich alles geben. Am Wegweiser in Zermatt steht bis zur Hörnlihütte eine Gehzeit von 5:40 Stunden angeschrieben. Ich wollte mal sehen, wie mein aktueller Fitnesszustand ist.

                              Ich startete also am Bahnhof in Zermatt (1605 m) um 10.27 Uhr. Zunächst im Dauerlauf durch die Bahnhofsstraße in Zermatt und dann über Blatten und Zum See nach Furi. Um 10.51 Uhr war dann Furi (1867 m) erreicht. Jetzt ging es mit dem Anstieg richtig los. Es ist extrem wichtig sich seine Kräfte sehr gut einzuteilen. Ich achtete darauf, dass mein Puls nicht permanent bei 200 war, sondern zeitweise bis auf 170 runterging. Vorbei ging es dann an Hermetji (2053 m)zum Schwarzsee (2583 m), wo ich japsend um 11.50 Uhr vorbei joggte. Weiter ging es über Hirli zur Hörnlihütte (3260 m). Ganz wichtig ist es, genau das Wegprofil zu kennen, damit man seine Leistung richtig dosieren kann. Zwischen Schwarzsse und Hörnlihütte ist der Weg dreigeteilt. Am Anfang geht es in den Matten steil nach oben bis etwa Hirli. Dann folgt eine horizontale Strecke, in der sich der Körper erholen kann und zum Schluss noch einmal im Geröllfeld ein Steilanstieg bis zur Hörnlihütte.

                              Am Schwarzsee sah mich dann ein 23-Jähriger Bergläufer, der tags zuvor bei dem Wettbeweb mitgemacht hatte, hochlaufen. Eigentlich wollte er sich - wie er mit später sagte - mit einer normalen Wanderung zur Hörnlihütte von seinen Strapazen erholen, aber als er mich laufen sah, packte ihn der Ehrgeiz. Als er mich sah, hatte ich etwa 200 Meter Vorsprung. Er wollte mich unbedingt überholen.

                              Wie ich schon sagte, habe ich unter normalen Umständen keine Chance gegen die echten Bergläufer. Aber vier Dinge kamen mir zugute.

                              Zunächst musste er sich von seinem Wettkampf erholen.

                              Im oberen Drittel eignet sich der Weg überhaupt nicht für einen Berglauf. Da kommen ganz andere Dinge ins Spiel.

                              Ich kenne den Weg zur Hörnlihütte in und auswendig. Er war zum ersten Mal dort.

                              Außerdem hatte ich etwa 200 Meter Vorsprung.

                              Der 23-Jährige setzte mir also nach. Was nun folgte, war eine der härtesten Stunden in meinem Leben. Ich wusste, dass er mir im mittleren Drittel des Weges einiges abnehmen wird. Ich musste also zusehen, dass ich im ersten Drittel des Weges in etwa meine 200 Meter Vorsprung halten muss. Zu meinem große Entsetzen kam er mir aber in der ersten Hälfte des ersten Drittels auf etwa 50 Meter heran. Glücklicherweise zeigte es sich aber nun, dass er sich vom Wegprofil her verschätzt hatte. Er dachte, dass bereits kurz vor Hirli eine Flachpassage kommen würde, was aber nicht der Fall ist. Wie gesagt, er kannte den Weg nicht. Bei Hirli zog ich dann wieder an und konnte meinen Vorsprung wieder auf etwa 200 Metern vergrössern. Dann kam die von mir gefürchtete Flachpassage, in der er mir zu meinem großen Frust alle 200 Meter abnahm . Am Beginn der Felspassage war er nun direkt bei mir. Normalerweise würde er mich nun alle machen, aber wie ich bereits erwähnte, eignet sich der dritte Teil des Weges zur Hörnlihütte nicht für einen Berglauf. Es gibt zahlreiche Felskehren und man muss genau aufpassen, wo man auftritt. Außerdem ist es sehr wichtig, dass man die Felsstruktur sehr gut einschätzen kann. Fairerweise muss ich zugeben, dass er konditionell besser ist, ABER der dritte Teil des Weges brachte die Rettung für mich. Meine geringfügig schlechtere Kondition konnte ich durch die Erfahrung im Fels und die Wegkenntnis wettmachen. An der Hörnlihütte hatte ich 10 Meter Vorsprung vor ihm. Um 12.58 Uhr knallte ich völlig ausgepowert auf die Terrasse der Hörnlihütte. So fertig war ich noch nie im Leben. 2:31 Stunden ab Zermatt.

                              Nachdem wir beide uns erstmal 5 Minuten ordentlich ausgeschnauft haben, kamen wir dann ins Gespräch.

                              Es war ein sehr interessantes Gespräch. Er meinte, dass ich - hätte ich beim Wettbewerb mitgemacht - einen Platz im Mittelfeld hätte erreichen können. Es waren mehrere hundert Läufer am Start. Ich gratulierte ihm zu seiner Kondition. Ich meinte, dass es für mich nicht so gut sei, wenn ich auf einen Bergläufer treffe, weil ich da aufgund meines Ehrgeizes (Gebirge und Sauna sind für mich DIE beiden heiligen Kühe) sehr unvernünftig sei. Er lachte.

                              Zurück ging er dann den direkten Weg nach Zermatt; ich hingegen beschloss noch als Zugabe die Schönbielhütte draufzupacken. Diesmal allerdings ohne Raserei lediglich in zügigem Wandertempo.

                              Drei Tage später wollte ich von der Täschhütte (2701 m) den Höhenweg nach Zermatt gehen. Ein paar Stunden zuvor hat jedoch ein Steinschlag den Wanderweg verschüttet. Felsen mit 3 Meter Durchmesser sind den Berg hinunter gestürzt. Als ich gerade auf den Weg gehen wollte, sperrte ein Mitarbeiter der Gemeinde den Weg ab. Er erklärte mir, was los war und meinte, dass ich ein extrem großes Risiko eingehen würde, ein paar Stunden nach einem Steinschlag den Weg zu gehen, da fast sicher mit Nachrutschen und Nachschlägen zu rechnen sei. Er bot mir an, mich in seinem Jeep mit Allradantrieb mit ins Tal zu nehmen. Zähneknirschend sah ich ein, dass er Recht hatte. Ich setzte mich also in den Jeep und fuhr mit ihm zu Tal. Er erklärte mir, dass aufgrund des extrem heissen Julis und des extrem heissen Augusts im Wallis es zu erheblichen Steinschlägen gekommen ist. Durch die Plustemperaturen auf 4000 m Höhe ist der Permafrost nicht mehr gewährleistet. Das aufgetaute Eis macht manche Berghänge sehr instabil. Aufgrund der Klimaerwärmung wird in Zukunft ein erheblicher finanzieller Aufwand notwendig sein, nicht nur Bahnlinien, Ortschaften und Straßen sondern auch Wanderwege durch Tunnels und Galerienverbauungen abzusichern.

                              Als ich die 3 Meter großen Felsen sah, konnte ich mir leicht ausrechnen, da Fels etwa eine Dichte von 2,5 g/cm^3 hat, dass diese Brocken etwa eine Masse von 20 Mg haben. Da ist es mit schweren Zäunen längst nicht getan! Wenn auch nur ein einziger solcher Felsbrocken mehrere hundert Meter abstürzt, dann wird eine Energie von über 100 MJ freigesetzt. Wer die Klimaerwärmung bestreitet, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

                              (Teil 2)
                              Zuletzt geändert von ThomasK; 01.09.2013, 15:07.

                              Kommentar

                              Lädt...
                              X