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Selbstbestimmung und Sinn

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    Selbstbestimmung und Sinn

    Den folgenden kurzen Artikel in der Zeit finde ich empfehlenswert:

    http://www.zeit.de/studium/hochschul...-y-arbeitswelt

    "Denn nicht die Generation Y ist seltsam, sondern die heutige Arbeitswelt ..."

    Nach Allem, was ich bisher erlebt und gesehen habe, kann ich dem voll zustimmen.


    #2
    Ich kann dem nicht so zustimmen. Ich gehöre ja zu dieser Generation und es mag sein, dass die Karriere im Schnitt einen geringeren Stellenwert einnimmt. Allerdings sind diese Umfragen ja fiktiv - wenn man monatelang einen Job sucht, dann lehnt man so schnell nichts mehr ab...

    Aber was in dem Artikel gar nicht zur Sprache kommt: Es sinkt die Leistungsbereitschaft. Und das ist ein Problem, was in naher Zukunft auf uns zukommen wird. Es ist eine Sache, ob mir die 'work-life-balance' wichtig ist und ich trotzdem im Job 'alles' gebe oder ob ich die Zeit im Job nur absitze und mich durchmogle.
    Ich glaube, am Ende haben nur wenige Arbeitgeber (die ja übrigens auch nur Menschen sind) was gegen jemanden mit gesundem Privatleben. Man kann und darf durchaus Job und privat klar trennen. Aber dann sollte man im Job eben auch voll bei der Sache sein und arbeiten.

    Ich hab ja (zu) viel mit Studenten zu tun und mein Eindruck ist, dass jede Generation weniger leistungsbereit ist und zwar auf eine schlechte, unproduktive Art und Weise. Ich selbst achte auch darauf, dass ich ein Privatleben habe aber ich gehe sowohl gerne zur Arbeit als auch gerne nach der Arbeit nach Hause. Ich bin bereit, während meiner Arbeitszeiten zu arbeiten und es ist mir aber auch wichtig, nach der Arbeit eben abzuschalten. Und nur dann kann das auf Dauer funktionieren.

    Viele Studenten, die ich betreue sind leider nicht bereit, zu arbeiten. Ein Beispiel aus der Praxis: Ich habe eine Klausur gestellt. Die Klausur hatte 10 Aufgaben. 5 davon sind in der zur Vorlesung gehörenden Übung behandelt worden. Der Besuch der Übung ist freiwillig, es nehmen höchstens 25 % der Studenten daran teil. Allerdings sind die Musterlösungen im Internet verfügbar. 2 weitere Aufgaben waren (mit anderen Zahlen) Aufgaben aus der letzten Klausur. Die ist ebenfalls verfügbar, allerdings ohne Lösung. Und trotzdem hat die beste Klausur grade mal 72 %, die zweitbeste nur 63 %.
    Ich hab die Klausur vor ein paar Jahren selbst geschrieben. Damals waren alles komplett neue Aufgaben. Und es gab viele Klausuren mit 90-100 %, nur wenige lagen unter 60 %.
    Da sich die physischen Voraussetzungen wohl nicht so schnell geändert haben, kann es ja nur daran liegen, dass die Studenten nicht genug gelernt haben.

    Also 'work-life-balance' gut und schön - aber 'work' muss auch einen entsprechenden Stellenwert einnehmen.

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      #3
      Damals waren alles komplett neue Aufgaben. Und es gab viele Klausuren mit 90-100 %, nur wenige lagen unter 60 %.
      Da sich die physischen Voraussetzungen wohl nicht so schnell geändert haben, kann es ja nur daran liegen, dass die Studenten nicht genug gelernt haben.
      Und das dürfte wohl der entscheidende Unterschied sein. Ich behaupte nämlich: Es ist keineswegs zwingend so, dass neue Aufgaben schwerer sind als (dem Grunde nach) bekannte Aufgaben. Bei letzteren besteht insbesondere die Gefahr, sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen ("Oh, cool, die Aufgabe kenne ich ja....da brauche ich nicht mehr groß denken, sondern einfach nur noch abspulen").

      Die Frage, die sich mir da stellt: Warum wurde auf bekannte Aufgaben zurückgegriffen? Wenn nichts gefordert wird, kann auch nur wenig Leistung erbracht werden. (Ich hab' Klausuren mit quasi aus der Vorlesung/Übung oder Vorjahresklausuren bekannten Aufgaben immer gehasst, das sind für mich die reinsten Schmalspurdenkerklausuren, wo dann auch mal Leute glänzen können, die zwar bis zum Erbrechen gepaukt haben, aber wenig bis nichts verstanden haben...)

      ____

      Zum Artikel: Da treffen viele Punkte meiner Meinung nach schon zu, in den nächsten Jahr wird es von Seiten der Arbeitgeber wohl auch dementsprechende Maßnahmen geben. Wenn man die (Spitzen)Leute nur noch mit einer gesunden "work & life"-balance erreicht, dann stellt man sich nun mal darauf ein. Weil man diese Leute braucht. Das bedeutet allerdings auch, dass die Arbeitnehmer, die beliebig ersetzbar sind, wohl eher nicht in den Genuss etwaiger begünstigender Maßnahmen der Arbeitgeber kommen dürften...

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        #4
        Zitat von _Linus_ Beitrag anzeigen
        Und das dürfte wohl der entscheidende Unterschied sein. Ich behaupte nämlich: Es ist keineswegs zwingend so, dass neue Aufgaben schwerer sind als (dem Grunde nach) bekannte Aufgaben. Bei letzteren besteht insbesondere die Gefahr, sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen ("Oh, cool, die Aufgabe kenne ich ja....da brauche ich nicht mehr groß denken, sondern einfach nur noch abspulen").

        Die Frage, die sich mir da stellt: Warum wurde auf bekannte Aufgaben zurückgegriffen? Wenn nichts gefordert wird, kann auch nur wenig Leistung erbracht werden. (Ich hab' Klausuren mit quasi aus der Vorlesung/Übung oder Vorjahresklausuren bekannten Aufgaben immer gehasst, das sind für mich die reinsten Schmalspurdenkerklausuren, wo dann auch mal Leute glänzen können, die zwar bis zum Erbrechen gepaukt haben, aber wenig bis nichts verstanden haben...)
        Weil die Klausur im letzten Semester mit neuen Aufgaben so grandios schief gegangen ist, dass mein Chef und ich fast geweint haben.

        Und leider war es nicht der Fall, dass sich Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen haben. Die Aufgaben wurden schlicht gar nicht oder mit einem vollkommen falschen Ansatz bearbeitet. Man erkennt das ja beim Korrigieren, ob der Student prinzipiell wusste, worum es geht oder nicht. Hier war 'oder nicht' der Fall.

        Das ist in meinem Studiengang aber im Moment in allen Fächern der Fall. Ich schätze, es liegt zum Großteil am G8 und dem Wegfall der Wehrpflicht, die Studenten sind hier jetzt 1-2 Jahre jünger... Denen gelingen einfachste mathematische Umformungen nicht und na ja - dann kann man kein Naturwissenschaftler werden.
        Aber auch in Fächern, in denen hauptsächlich gelernt und gar nicht so viel verstanden werden muss (Reaktionsmechanismen, Namensreaktionen, Trivialnamen) fallen die Klausuren so grausam schlecht aus, dass niemand hier mehr weiß, was er tun soll.

        Gleichzeitig werden aber eben Angebote wie Tutorien, Übungen und Altklausuren nicht genutzt.

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          #5
          Ich habe in dem Zusammenhang das Gefühl, dass die Studiengebühren damals vieles "schlimmer" gemacht haben. Irgendwie kam dadurch bei vielen das Bewusstsein auf, dass auch die Uni ein Dienstleister ist und man eine gute note allein deshalb schon verdient hatte, weil "man die Leute ja bezahlt".

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            #6
            Zitat von dieMeike Beitrag anzeigen
            Ich habe in dem Zusammenhang das Gefühl, dass die Studiengebühren damals vieles "schlimmer" gemacht haben. Irgendwie kam dadurch bei vielen das Bewusstsein auf, dass auch die Uni ein Dienstleister ist und man eine gute note allein deshalb schon verdient hatte, weil "man die Leute ja bezahlt".

            Wobei da ja die Frage ist, was da Ursache und was Wirkung ist. Welcher normal denkende Mensch denkt denn sowas?

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              #7
              Zitat von nudelsuppe Beitrag anzeigen
              wobei da die Frage ist, was da Ursache und was Wirkung ist. Welcher normal denkende Mensch denkt denn sowas?
              Ich habe erwartet, dass die Lehre / Kurse / Bedingungen besser sind, wenn ich 500€/Semester latze - und habe mich mehr als vorher geärgert, wenn ein Kurs scheiße war. Aber mich hingesetzt und gelernt hab ich dann trotzdem.

              In diesem ganzen tollen 'wir'-gefühl dass nun überall so in zu sein scheint, Team blablub, geht irgendwie bei manchen Menschen das ich-Gefühl flöten, eigene Entscheidungen treffen wird dann schwer, wenn mans vorher nie musste und sich selbst zu sagen '"ich lern das, damit ICH das kann" statt etwas so zu tun, dass es grad so fürs bestehen reicht, das gehört da für mich mit dazu.


              Edit: Was mir grad noch eingefallen ist: Ist dein Fach bei dir an der Uni noch NC-frei bzw. hat einen niedrigen NC?
              Bei den steigenden NC-Werten gibts doch auch immer mehr Leute, die irgendwas studieren, was grad so passt.
              Zuletzt geändert von dieMeike; 11.08.2013, 15:44.

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                #8
                Ne, das ist hier zulassungsfrei und zwar schon immer (und eigentlich deutschlandweit). Aber es betrifft auch die beiden NC-Studiengänge, für die wir auch Klausuren/Praktika anbieten.

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                  #9
                  Ich schätze, es liegt zum Großteil am G8 und dem Wegfall der Wehrpflicht, die Studenten sind hier jetzt 1-2 Jahre jünger...
                  Das hatte ich jetzt gar nicht auf dem Schirm - aber das scheint mir gar nicht so abwegig als mögliche Erklärung, warum das Leistungsniveau / die Leistungsbereitschaft (bei deinen Studenten, im Vergleich) so abgeflacht ist. 1-2 Jahre (im Schnitt) können meiner Meinung nach gerade in dem Alter 17/18/19/20 in der individuellen Entwicklung viel ausmachen.
                  Die Klausur, die Du angesprochen hattest: War das eine für Erstsemestler? Da sind viele gefühlt ja noch gar nicht wirklich an der Uni angekommen...

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                    #10
                    Nein, viertes Semester... Also wir stehen dem wirklich ratlos gegenüber, weil sich an der Vorlesung, der Übung und der Klausur wenig geändert hat.
                    [edit: Ich hab die Veranstaltung ja an der gleichen Uni vor 5 Jahren belegt - bei uns war jede Übungsgruppe voll und blieb das auch bis zum Ende. Dieses Jahr haben sich 30 pro Gruppe eingetragen, in der ersten Übung waren 20 da, in der letzten im Schnitt noch 5.]

                    Ich denke wirklich, diese 1-2 Jahre machen einen großen Unterschied. Manche kommen jetzt mit 17 hier an die Uni, die sind sicherlich erstmal überfordert vom ganzen Organisatorischen und vom Selbstbestimmten.

                    Aber ich seh auch viel die Einstellung 'Übung ist ja freiwillig, Tutorien sowieso - da leg ich mich lieber in die Sonne!'. Und das ist eine falsche Auffassung von 'work-life-balance'. Dazu gehören bei einem erwachsenen Menschen eben ungefähr 40 Stunden Arbeit pro Woche und die darf man vor lauter 'life' und 'balance' nicht vernachlässigen. So war das ja ursprünglich auch nicht gemeint, da ging es ja eher um 50-80 Stunden Arbeit pro Woche, die in manchen Kreisen normal waren (und sind).
                    Zuletzt geändert von nudelsuppe; 11.08.2013, 18:47.

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                      #11
                      Unwissenheit und Sorglosigkeit sind ein Privileg der Jugend, aus dem heraus sich die Verhältnisse grundsätzlich hinterfragen lassen. Nur wenn alles Ok wäre, machte das keinen Sinn. Es ist aber nicht Ok. Das haben wir die letzten 6 Jahre erlebt.

                      Deshalb ist es etwas Gutes, wenn sich die jungen Menschen nicht nur adaptieren, sondern auch an der einen oder anderen Stelle Widerstand leisten.

                      Es gibt einen Politiker, der den mangelhaften Zustand unseres Wirtschaftssystems sehr schön beschreibt: Heiner Geissler auf der Leipziger Buchmesse 2012. Mit einer Rede, die IMO alle jungen Menschen kennen sollten und die Multiplikatoren an den Unis auch http://youtu.be/oh-GHcI8Syw. Dies hat sehr viel mit dem Thema des Threads zu tun.

                      Das G8 wurde ja übrigens auf Druck der Wirtschaft eingeführt. Aber die kümmert sich natürlich einen Dreck um die Konsequenzen.

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                        #12
                        @nudelsuppe um zu deinem wirklich interessanten Bericht von der Uni etwas Konkreteres beizutragen ...

                        Ich sehe im Job die Anforderungen steigen - also ich rede von meinem Fachgebiet, das viele universitär ausgebildeten Menschen beschäftigt – und fragt man die älteren Kollegen, ist das seit sie dabei sind so. Die Unternehmensführung und das mittlere Management steht dem mit den althergebrachten Mitteln gegenüber. In Konsequenz wird vieles auf die Mitarbeiter abgewälzt und über Fachkräftemangel, Unfähigkeit der Mitarbeiter usw. geklagt.

                        Für junge Mitarbeiter, die nun möglicherweise mit Ausbildungsdefiziten im Job ankommen, ist es natürlich besonders schwer. Wie ich das sehe, tut sich eine Schere auf zwischen dem, was gefordert wird und dem, was geleistet werden kann. Da haben auch die immerwährenden Praktika einen Grund.

                        Dazu passt folgender Absatz aus einem anderen Artikel in der Zeit:

                        Eine Studie zeigt, dass das Freizeitvergnügen in erster Linie eine kompensatorische Funktion hat, nämlich das Arbeitsleid zu vergessen. Und dieses Leid entsteht aus dem steigenden Druck bei der Arbeit, aus der Verdichtung der Anforderungen und der Kontrolle. Kurz: Die Probleme liegen in einem System begründet, das die Menschen nicht zur solidarischen, gemeinsamen Handlung motiviert, sondern in erster Linie die Konkurrenz verschärft. Darunter leiden die Menschen.

                        Ich glaube, dass eine sehr tiefgreifende Umorientierung der Arbeitswelt und der Gesellschaft insgesamt notwendig ist, um die Dinge ins Lot zu bringen. Ich halte da manche Gedanken von Götz Werner wegweisend: http://youtu.be/O3LNMSom-dc . Die Frauen mit Kindern, die Familien, die Jugendlichen hätten davon den größten Vorteil. Es wäre eine „Kopernikanische Wende“.

                        Wie lächerlich ist im Vergleich das Placebo Frauenquote , das die Hüter des Status-Quo den Frauen verabreichen wollen. Sich damit zufrieden zu geben, wäre wirklich dumm.

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