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    Übergewicht - Diskussion

    Da im Schönheitsideale Thread die Sache schon am Rande thematisiert wurde, hier ein eigener Thread zur Thematik. Bitte achtet darauf, nicht in einem abfälligen Ton über übgergewichtige Menschen zu sprechen, danke. Und PS: wer sich getriggert fühlt, braucht den Thread nicht melden (er ist sogar genehmigt), sondern hält sich am besten einfach fern. Es soll hier auch nicht um Einzelfälle, schon gar nicht über einzelne User gehen.

    Viel mehr möchte ich hier eine allgemeinere Diskussion anstoßen. Wie kommt es dazu, dass es so viele Menschen mit (starkem) Übergewicht gibt? Meine persönliche Einschätzung ist nach wie vor, dass man es sich zu einfach macht, indem man die Verantwortung auf die Individuen schiebt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass all diese Menschen "nur" ein Problem mit ihrer Selbstbeherrschung und Kontrolle haben, wenn ihr Übergewicht über bestimmte Grenzen hinaus geht. Untergewicht mag in Zahlen seltener vorkommen, aber wird gesellschaftlich ganz anders behandelt. Es gibt Studien, dass eine anhaltende Unterernährung zu eigenartigem Verhalten führen kann. SPOILERz.B. die in Minnesota, während des zweiten Weltkriegs: Männer bekommen ein halbes Jahr lang nur noch die Hälfte ihrer üblichen Kalorien. Ergebnis: 25% Gewichtsverlust, ständige Beschäftigung mit Essen, Horten von Dingen, die mit Nahrung zu tun haben. Teils Essanfälle. Anschließend kamen 3 Monate Rehabilitation, viele hatten noch immer Probleme mit Essanfällen. Auch depressive Verstimmung, Libidoverlust traten auf. Nach 8 Monaten hatten die Männer mehr Gewicht als zu Beginn des Experimentes, vor allem einen höheren Anteil an Fett. Genaue Quelle habe ich auf die Schnelle nicht gefunden, aber ist relativ bekannt. Die Studie zeigt vielleicht auch schon ganz schön den "Jojo Effekt".) Wieso sollte also dauerhafte Überernährung nicht ebenfalls zu Veränderungen der Psyche führen können? Besteht nicht ebenfalls die Möglichkeit, dass es dort (psychische) Probleme gibt?
    Im ICD-10 ist Adipositas klar definiert und klassifiziert, wird aber als Krankheit von unserem Gesundheitssystem nicht anerkannt. Natürlich "zwingt" niemand die Menschen zum Essen. Natürlich essen sie und sind für ihr Verhalten verantwortlich. Isst jemand aber über einen langen Zeitraum viel zu wenig, ist die Chance groß, in eine Magersucht zu rutschen. Sehr vereinfacht dargestellt, aber: Wird gesellschaftlich so gut wie immer als Krankheit akzeptiert. Jemand ist medizinisch zu dünn, jemand verweigert die Nahrungsaufnahme. Ist jemand medizinisch zu dick und isst übermäßig, wird das jedoch von den wenigsten als Krankheit gesehen. Kann jemand, der sehr starkes Übgergewicht hat, der bereits diverse gesundheitliche Einschränkungen hat, und dennoch so weiter macht, "gesund" sein? Sich zu Tode hungern ist eine Krankheit, sich zu Tode fressen nicht? Was denkt ihr, woher kommt die unterschiedliche Sichtweise? Allein deshalb, weil Dicke immer noch als faule Menschen mit einem Kontrollproblem gesehen werden?

    Auf der anderen Seite haben wir das andere Extrem, die "Body Positivity" Bewegung. Auch diese hat sicher ihre Vor- und Nachteile. Dass Dicke Menschen sich selbst akzeptieren können und sollen, und dass sie auch von der Gesellschaft akzeptiert werden sollen? Für sich eine super Sache. Dass in dieser Bewegung aber auch Menschen unterwegs sind, die von Schönheit und Gesundheit bei jedem Gewicht sprechen? Dass sich Menschen von unserer Welt diskriminiert fühlen, wenn sie beispielsweise auf Flügen gebeten werden, ab einem bestimmten Gewicht 2 Sitze buchen zu müssen, weil sie zu schwer und zu breit sind? Dennoch ist es in meinen Augen alles andere als ideal, nach dem jahrzehntelangen Hype um Untergewichtige nun mit einem Hype (und der einhergehenden Verharmlosung) von Übergewicht zu reagieren. Man kann Feuer (ungesunde Ideale) nicht mit Feuer (neue, ungesunde Ideale) bekämpfen.
    Ich denke, dass "Fat Shaming" vor allem im Verborgenen geschieht (* in meinem Umfeld). Man spricht die (fremden) Menschen nicht mehr auf ihr Gewicht oder ihre Wahl der Mahlzeit an, und viele lästern auch nicht mehr in hörbarer Lautstärke über jemanden. Sobald die Person aber außer Reich- oder Hörweite ist, lästern viele noch immer über Dicke. Allseits beliebtes Thema sicher auch die Kleidung. "Also ich würde sowas nicht tragen, wenn ich so aussehen würde." Als ob man ab einem bestimmten Gewicht noch großartig etwas verstecken könnte. Als ob dicke Menschen kein Recht aufs Schwimmen gehen hätten. Häufig wird auch das Argument der "Gesundheit" gebracht: Aber machen wir uns wirklich Sorgen um wildfremde Menschen auf der Strasse?

    Was denkt ihr, wie steht ihr zu der Thematik?

    edit1: Hervorhebung Disclaminer

    edit2: Bitte (!!!) achtet darauf, eure eigenen Erfahrungen und Gedanken auch als solche kenntlich zu machen. Solange ihr keine Quelle für etwas habt, schreibt bitte dazu, dass sich diese Ansichten aus eurem Umfeld ergeben oder aus euren Erfahrungen etc., aber sprecht nicht von Dingen als ob sie objektive Tatsachen wären, nur weil ihr persönlich es bisher so empfunden habt.
    Zuletzt geändert von pumpkinspicedlatte; 09.06.2020, 19:08.

    #2
    Zitat von pumpkinspicedlatte Beitrag anzeigen
    Sehr vereinfacht dargestellt, aber: Wird gesellschaftlich so gut wie immer als Krankheit akzeptiert. Jemand ist medizinisch zu dünn, jemand verweigert die Nahrungsaufnahme. Ist jemand medizinisch zu dick und isst übermäßig, wird das jedoch von den wenigsten als Krankheit gesehen
    Auch wenn 'vereinfacht dargestellt' steht, seh ich absolut nicht so.
    Ich hör bei übergewichtigen Menschen viel öfters, dass das ja krankheitsbedingt ist, nicht nur von ihnen selbst, auch Leute die sie 'verteidigen'. Bei untergewichtigen kenn ich das so nicht.
    Daher kommts ja auch, dass man, wenn man Übergewicht anspricht, oft negativere Kommentare bekommt von außenstehenden a la 'das sagt man nicht, das kann ja ne Krankheit sein', als wenn man Untergewicht anspricht.
    'Kenne viele Leute aus kaputten Familien, alle haben einen Dachschaden'
    -KönigVonBayern

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      #3
      Richtig krass finde ich einfach, dass ich bei dem Thema nur an Frauen denke. Egal in welche Richtung es geht. Geht das noch Jemanden so?

      Habe das Gefühl, bei Männern wird es weniger thematisiert und vllt auch weniger kritisiert?
      Auch bei dem Thema Body Positivity kenne ich nur Frauen.

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        #4
        Zitat von SMD Beitrag anzeigen
        Auch wenn 'vereinfacht dargestellt' steht, seh ich absolut nicht so.
        Ich hör bei übergewichtigen Menschen viel öfters, dass das ja krankheitsbedingt ist, nicht nur von ihnen selbst, auch Leute die sie 'verteidigen'. Bei untergewichtigen kenn ich das so nicht.
        Daher kommts ja auch, dass man, wenn man Übergewicht anspricht, oft negativere Kommentare bekommt von außenstehenden a la 'das sagt man nicht, das kann ja ne Krankheit sein', als wenn man Untergewicht anspricht.
        Weiß nicht, ob ich es unklar ausgedrückt habe oder deinen Beitrag nur missverstehe, mir ging es eher um eine Krankheit für sich. Also aus Untergewicht + entsprechendem Essverhalten wird Magersucht, das stellt niemand infrage. Aus Übergewicht + entsprechendem Essverhalten wird aber keine eigene Krankheit, bzw. ist Adipositas/Fettsucht für viele eher ein Symptom oder eine Folge von (sofern vorhandenen) anderen Erkrankungen. z.B. Schilddrüsenunterfunktion. Aber Adipositas/Fettsucht wird einfach nicht als eine mit Magersucht vergleichbare Krankheit gesehen. Kann natürlich auch sein, dass es in deinem Umfeld anders ist als in meinem.

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          #5
          Zitat von Lindwurm Beitrag anzeigen
          Habe das Gefühl, bei Männern wird es weniger thematisiert und vllt auch weniger kritisiert?
          Stimmt, in meiner Weight Watchers Gruppe bin ich der einzige Mann. Dicke Männer werden gerne als kräftig oder stabil bezeichnet, Frauen als mollig oder fett. Schuld daran sehe ich zu großen Teilen in der Modeindustrie, die zu 90% Mode für schlanke Frauen macht.

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            #6
            Zitat von SMD Beitrag anzeigen
            Auch wenn 'vereinfacht dargestellt' steht, seh ich absolut nicht so.
            Ich hör bei übergewichtigen Menschen viel öfters, dass das ja krankheitsbedingt ist, nicht nur von ihnen selbst, auch Leute die sie 'verteidigen'. Bei untergewichtigen kenn ich das so nicht.
            Daher kommts ja auch, dass man, wenn man Übergewicht anspricht, oft negativere Kommentare bekommt von außenstehenden a la 'das sagt man nicht, das kann ja ne Krankheit sein', als wenn man Untergewicht anspricht.
            Hab letztens darüber nachgedacht gibt Eig kaum Krankheiten, die wirklich Auslöser von Übergewicht sind. Ja manche machen es einem nicht leicht wie Schilddrüsenunterfunktion, aber alle anderen Sachen sind ja eher selten. Keine Ahnung wie sich das so entwickelt hat, dass alle das mit Krankheit verteidigen. Vor allem gibts ja eine Million mehr Sachen die Untergewicht machen, einfach weil Appetitlosigkeit und B-Symptomatik schon so oft mit dabei sind ne

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              #7
              Zitat von Maikigay Beitrag anzeigen

              Stimmt, in meiner Weight Watchers Gruppe bin ich der einzige Mann. Dicke Männer werden gerne als kräftig oder stabil bezeichnet, Frauen als mollig oder fett. Schuld daran sehe ich zu großen Teilen in der Modeindustrie, die zu 90% Mode für schlanke Frauen macht.
              So einfach ist das nicht. Ich finde wenn wir von curvy Models reden und von Frauen mit Kurven. Dann wird daraus wieder was neues eigenes, schön und gut. Aber es geht immer nur um Frauen.

              Pluz size Models bei Männern? Sexy mit Bierbauch? Das wird doch gar nicht erst thematisiert.

              Habe übrigens Mal gelesen, dass der "Schönheitsdruck" in der Schwulenszene Sehr hoch sein soll.

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                #8
                Zitat von Lindwurm Beitrag anzeigen

                So einfach ist das nicht. Ich finde wenn wir von curvy Models reden und von Frauen mit Kurven. Dann wird daraus wieder was neues eigenes, schön und gut. Aber es geht immer nur um Frauen.

                Pluz size Models bei Männern? Sexy mit Bierbauch? Das wird doch gar nicht erst thematisiert.

                Habe übrigens Mal gelesen, dass der "Schönheitsdruck" in der Schwulenszene Sehr hoch sein soll.
                Die meisten Menschen, sprechen bei "kurvigen" Frauen, aber von schlanken Frauen mit etwas mehr Arsch und Brust, nicht aber von übergewichtigen.

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                  #9
                  Zitat von Silvercat Beitrag anzeigen

                  Die meisten Menschen, sprechen bei "kurvigen" Frauen, aber von schlanken Frauen mit etwas mehr Arsch und Brust, nicht aber von übergewichtigen.
                  Kenne ich Mal so und so. Bei curvy Supermodel waren schon dicke Frauen dabei.

                  Mir ging es darum, dass es dabei bleibt, dass dick oder dünn sein ein Thema ist das soooo stark mir Frauen in Verbindung gebracht wird.

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                    #10
                    Zitat von pumpkinspicedlatte Beitrag anzeigen
                    Also aus Untergewicht + entsprechendem Essverhalten wird Magersucht, das stellt niemand infrage. Aus Übergewicht + entsprechendem Essverhalten wird aber keine eigene Krankheit
                    Bei entsprechendem Essverhalten und daraus resultierendem Untergewicht hört man auch gerne "Der/Die ist so wenig, weil er/sie sich krankhaft (psychisch bedingt) für zu dick hält"

                    Bei entsprechendem Essverhalten und daraus resultierendem Übergewicht heißt es doch oft nur "Der/Die ist halt zu gerne und viel zu viel" Und das ist noch nett ausgedrückt.

                    Daher wohl die unterschiedliche Ansicht, ob es krankhaft ist oder nicht.

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                      #11
                      Zitat von Schlumpfxxx Beitrag anzeigen

                      Bei entsprechendem Essverhalten und daraus resultierendem Untergewicht hört man auch gerne "Der/Die ist so wenig, weil er/sie sich krankhaft (psychisch bedingt) für zu dick hält"
                      .
                      Es gibt bestimmt Menschen die sowas sagen, ich hab es aber noch nie gehört. Kenne das nämlich auch eher so, dass wenn drüber geredet wird, dann sind die Personen einfach magersüchtig.
                      Also der Weg dahin wird gar nicht so sehr thematisiert. Magersucht steht für sich.

                      Aber das ist ja auch wieder nur, wie ich es erlebe.

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                        #12
                        In den allermeisten Fällen ist Übergewicht mangelnde Selbstbeherrschung. In Asien war Übergewicht und gar Fettleibigkeit vor nicht allzu langer Zeit auch eine Seltenheit. Dann kamen McDonalds, Kentucky & co. und schon wurden die fett. Wenig Bewegung, viel Junkfood das geil schmeckt und keinen Aufwand macht und schon ist man fett. Deshalb nehmen Leute auch zu, wenn sie sich eine Verletzung zugezogen haben die sie ein paar Monate lang bettlägrig macht. Man liegt nur rum und frisst.

                        Und ist man erst mal stark Übergewichtig, fällt auch das Abnehmen schwer, weil sich der Körper an das Junk gewöhnt hat und der Hormonhaushalt am Arsch ist (der unter anderem für Hunger- und Sättigungsgefühl verantwortlich ist).

                        Es ist so ähnlich wie ein Drogenentzug. Muss man sich durchbeißen auch wenn's wehtut.

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                          #13
                          Zitat von Lindwurm Beitrag anzeigen
                          Es gibt bestimmt Menschen die sowas sagen, ich hab es aber noch nie gehört
                          Ist bei mir in der Tat so. Ich weiß es auch deshalb aus erster Hand, weil eine Klassenkameradin magersüchtig war. Und selbst sie sagte später, dass sie sich immer für zu dick hielt. Was aber überhaupt nicht der Fall war.

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                            #14
                            Zitat von Light Beitrag anzeigen
                            In den allermeisten Fällen ist Übergewicht mangelnde Selbstbeherrschung. In Asien war Übergewicht und gar Fettleibigkeit vor nicht allzu langer Zeit auch eine Seltenheit. Dann kamen McDonalds, Kentucky & co. und schon wurden die fett. Wenig Bewegung, viel Junkfood das geil schmeckt und keinen Aufwand macht und schon ist man fett. Deshalb nehmen Leute auch zu, wenn sie sich eine Verletzung zugezogen haben die sie ein paar Monate lang bettlägrig macht. Man liegt nur rum und frisst.

                            Und ist man erst mal stark Übergewichtig, fällt auch das Abnehmen schwer, weil sich der Körper an das Junk gewöhnt hat und der Hormonhaushalt am Arsch ist (der unter anderem für Hunger- und Sättigungsgefühl verantwortlich ist).

                            Es ist so ähnlich wie ein Drogenentzug. Muss man sich durchbeißen auch wenn's wehtut.
                            was wäre in deinen augen die lösung, wenn das problem relativ simpel ist? fast food verbieten, oder nur mehr aufklärung?

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                              #15
                              Zitat von pumpkinspicedlatte Beitrag anzeigen
                              was wäre in deinen augen die lösung, wenn das problem relativ simpel ist? fast food verbieten, oder nur mehr aufklärung?
                              Verbieten ist shwierig, und wo zieht man da die Grenze? Aufklärung, ich denke man muss schon auf den Kopf gefallen sein um nicht zu verstehen dass Junkfood kacke ist. Vielleicht ne höhere Steuer auf solche Produkte. Wie auf Tabak und Alkohol. Wobei die Steuer auf Tabak und Alkohol ruhig auch höher sein kann. Wird die Leute kaum abhalten von ihrem Suchtverhalten, aber so tut's halt mehr weh im Geldbeutel und der Staat könnte die Steuer sinnvoll nutzen, eventuell dem Gesundheitssystem gutschreiben. Und sonst, müssen sich halt die Dicken zusammenreißen. Wir können ihnen nicht den Schnuller wegnehmen.

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