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    #61
    Vielen Dank!

    Ich gehe dem jetzt noch positiver entgegen. Wird schon werden!
    Vermutlich hatte ich einfach viel zu wenig Wissen darüber und habe euch deswegen mit all diesen Fragen genervt. Tut mir leid, aber ihr habt mir dafür auch echt super weitergeholfen. Was auch immer ich wissen wollte, es wurde schnell und auch inhaltlich super gut beantwortet. Einfach mal Danke !

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      #62
      Zitat von die-Aileen Beitrag anzeigen
      Vielen Dank!

      Ich gehe dem jetzt noch positiver entgegen. Wird schon werden!
      Vermutlich hatte ich einfach viel zu wenig Wissen darüber und habe euch deswegen mit all diesen Fragen genervt. Tut mir leid, aber ihr habt mir dafür auch echt super weitergeholfen. Was auch immer ich wissen wollte, es wurde schnell und auch inhaltlich super gut beantwortet. Einfach mal Danke !
      Also mich hast du nicht genervt - die anderen bestimmt auch nicht. Außerdem bist du nicht die Einzige, die solche Bedenken hat und wer weiß, wem dieser Thread hier sonst noch geholfen hat.

      Viel Erfolg!

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        #63
        Ist halt für mich komplettes Neuland . Mittlerweile habe ich die geschriebene Liste eher in den Hintergrund treten lassen und warte einfach ab, was das Erstgespräch mit sich bringt. Wenn es dann weiter geht - soweit der Therapeut sagte, werden von der Kasse erstmal fünf Sitzungen bezahlt ehe sich der Rest entscheidet und man darüber sinniert, ob man überhaupt weitermacht/die Chemie stimmt - kann ich die Themen, die mich belasten, noch immer abarbeiten.

        Zitat von Emika Beitrag anzeigen
        Viel Erfolg!
        Danke!

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          #64
          Ich war dort. Das war alles gut und es hat schon beim ersten Mal ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht und mir gut getan. Der Therapeut war sehr freundlich und als ich ihm sagte, dass ich ein bisschen aufgeregt bin, nahm er mir die Anspannung gleich - es wäre schon ein großer Schritt, überhaupt zu ihm zu gehen, weil viele Hemmungen hätten.

          Ich war vorbereitet, habe dem Mann ehrlich alles geschildert, ging ein bisschen auf die familiäre Sache ein, auf meinen Freund, auf meine Arbeit und auf mein Umfeld und meine Gefühle, z.B. was mich in meinem Umfeld stört.

          Der Therapeut meinte nach dem Gespräch, dass er mit etwas "Phantasie" auf Hypomanie kommen könnte, aber ihm dazu das "bipolare" (?) und auch depressive Elemente fehlen würden. Letztlich meinte er, so viel könnte er eigentlich nicht machen, aber ich sei wahrscheinlich sehr streng mit mir selbst und zu streng - und deswegen zu streng mit meinem Umfeld, das ich deswegen als belastend und unangenehm ansehe. Es fiel auch das Wort "Leidensdruck" - ich leide ja eigentlich nicht. Er war freundlich, aber was er mir gesagt hat war die Botschaft, ich sei sehr auf mich selbst und einige wenige Gleichgesinnte wie meinen Freund und meine Cousine fixiert, viel zu streng zu mir und anderen und deswegen furchtbar intolerant zu Leuten, die "anders" sind als ich oder meinen Lebensstil "torpedieren".

          Das Abladen von "Schuld" auf Vater/Eltern/Familie oder meine eher konservative Kleidung sei "Projektion auf anderes", aber ich hätte mir womöglich durch die schwierige Situation meinen eigenen, mich von den Eltern abgrenzenden Lebensstil gesucht und gefunden und hätte mir damit eine "Welt" und "Weltbilder" über Gut und Böse erschaffen, die ich auf andere "ausweite" und wer da nicht rein passt, wird nicht akzeptiert. Wäre nicht selten, wenn jemand mit seinen Eltern gespannte Verhältnisse hatte. Das einzige, woran ich leiden würde, wenn man das so sagen könnte, wäre in gewisser weise mein Umfeld, das ich mir selber abqualifiziere und dem ich unbewusst das Gefühl gebe, schlechter zu sein als ich. Deswegen kommen auch solche Reaktionen anderer raus, die mir unfreundlich begegnen oder mich ablehnen - weil ich sie ablehne und ihnen unfreundlich begegne. Viel könne er für mich nicht tun - mein Problem sei rein charakterlich und ich müsse lernen, mit mir selbst zurecht zu kommen und das richtige Maß finden. Diese "Trauer" über Ablehnung könne zu mit Depressionen vergleichbaren Selbstzweifeln führen, seien aber keine Depression und mehr eine Frage der Persönlichkeit und meiner Einstellung. Er riet mir dazu, nicht mehr so streng zu sein. Das könne länger dauern und sei Übungssache, aber insofern nicht zu behandeln, weil es im Kopf "Klick" machen müsse.

          Im Nachhinein hat das alles Sinn gemacht. Musste das erst einmal "sacken lassen", aber es war schon faszinierend, wie viel dieser Mensch von mir nach ca. 90 Minuten gewusst hat, ohne mich persönlich richtig zu kennen. Sympathisch war es mir, dass er mir offen dazu riet, keine weiteren Termine zu vereinbaren - außer wenn ich wirklich in einem Tief sein sollte, dann könnte ich mich jederzeit vertrauensvoll an ihn wenden und mit ihm sprechen.

          Vorerst gibt es keine weiteren Termine, aber es hat mir schon geholfen und brachte ganz viel Klarheit, einfach diesen einen Termin wahrzunehmen. Mir geht es mittlerweile besser, weil ich weiß, was das Problem ist und was ich machen kann/muss/darf.

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            #65
            Ich habe für die nächste Woche einen weiteren Termin, der mir nötig erscheint, vor dem ich aber etwas "Bauchschmerzen" habe. Diesen Termin habe ich vereinbart (beim selben Therapeuten), um nochmal intensiv über das sehr schwierige Verhältnis zu meinem Vater zu sprechen und vielleicht ein paar Hinweise zu erhalten, wie ich mit der belastenden Vergangenheit etwas besser umgehen kann. Es geht mir zwar schon erheblich besser - nur bezüglich meinem Vater hätte ich dem Therapeuten noch etwas erzählen wollen und mir einen Rat erhofft.

            Habe jedoch das Gefühl, dass das reines "Lästern" ist. Ich kann über meinen Vater leider nicht viel Gutes berichten, außer dass er das Geld mit nach Hause brachte und uns versorgt hat und manchmal recht vernünftige Gespräche möglich gewesen sind. Ich möchte jedoch nicht "lästern" oder schimpfen, weil es immer noch mein Vater ist und ich kein lästerndes Waschweib bin. Es geht mir nur darum, mir einen Rat einzuholen.

            Was kann ich tun, um mich nicht so schlecht bzw. nicht wie eine "Lästernde" zu fühlen? Ich meine, ich geh da ja nicht grundlos hin und weil das so viel Spaß macht oder ich zu viel Zeit hätte. Musste mir für den Termin auch einen halben Tag freinehmen.

            Würde mich über ein paar Sichtweisen von euch sehr freuen.

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              #66
              Zitat von die-Aileen Beitrag anzeigen
              Was kann ich tun, um mich nicht so schlecht bzw. nicht wie eine "Lästernde" zu fühlen? Ich meine, ich geh da ja nicht grundlos hin und weil das so viel Spaß macht oder ich zu viel Zeit hätte.
              Wie du schon sagst - Du machst das ja nicht aus Jux oder Langweile. Versuche, diese Gespräche mal ganz nüchtern zu betrachten: Du gehst dorthin, weil du ein Problem hast.Um das Problem anzugehen, muss man auch darüber reden. Und in dem Moment ist es dann auch keine "Lästerei", sondern nur der Weg für dich, um dieses Problem zu verarbeiten. Ich finde, das ist schon ein großer Unterschied.

              Mal davon abgesehen - Soweit ich dich bis jetzt kenne, würde ich einfach mal behaupten, dass du vielleicht alles mögliche bist, aber ganz sicher keine "Läster-Schwester"

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                #67
                Zitat von die-Aileen Beitrag anzeigen
                Ich habe für die nächste Woche einen weiteren Termin, der mir nötig erscheint, vor dem ich aber etwas "Bauchschmerzen" habe. Diesen Termin habe ich vereinbart (beim selben Therapeuten), um nochmal intensiv über das sehr schwierige Verhältnis zu meinem Vater zu sprechen und vielleicht ein paar Hinweise zu erhalten, wie ich mit der belastenden Vergangenheit etwas besser umgehen kann. Es geht mir zwar schon erheblich besser - nur bezüglich meinem Vater hätte ich dem Therapeuten noch etwas erzählen wollen und mir einen Rat erhofft.

                Habe jedoch das Gefühl, dass das reines "Lästern" ist. Ich kann über meinen Vater leider nicht viel Gutes berichten, außer dass er das Geld mit nach Hause brachte und uns versorgt hat und manchmal recht vernünftige Gespräche möglich gewesen sind. Ich möchte jedoch nicht "lästern" oder schimpfen, weil es immer noch mein Vater ist und ich kein lästerndes Waschweib bin. Es geht mir nur darum, mir einen Rat einzuholen.

                Was kann ich tun, um mich nicht so schlecht bzw. nicht wie eine "Lästernde" zu fühlen? Ich meine, ich geh da ja nicht grundlos hin und weil das so viel Spaß macht oder ich zu viel Zeit hätte. Musste mir für den Termin auch einen halben Tag freinehmen.

                Würde mich über ein paar Sichtweisen von euch sehr freuen.
                Du hast halt einfach sehr viel Frust in dir aufgebaut. Du hast seine Schikanen ewig und drei Tage ertragen und bist immer wieder aus Mitleid bei ihm geblieben und statt Dankbarkeit kam halt nur Zorn und ein Arschtritt zum Abschied. Dass du da aktuelle eher negative Gefühle hast ist ja nachvollziehbar.

                Und es ist ja klar, dass du nicht zu nem Therapeuten gehst, wenn alles paletti ist. Natürlich sprichst du da mit ihm über das was dich belastet und nicht über das, was du gut findest. Wenn der Therapeut der Meinung ist, dass du dich da in was verrennst oder so dann wird er da auch einlenken und das ansprechen.
                I am not crazy. My reality is just different than yours

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                  #68
                  Zitat von die-Aileen Beitrag anzeigen
                  Ich habe für die nächste Woche einen weiteren Termin, der mir nötig erscheint, vor dem ich aber etwas "Bauchschmerzen" habe. Diesen Termin habe ich vereinbart (beim selben Therapeuten), um nochmal intensiv über das sehr schwierige Verhältnis zu meinem Vater zu sprechen und vielleicht ein paar Hinweise zu erhalten, wie ich mit der belastenden Vergangenheit etwas besser umgehen kann. Es geht mir zwar schon erheblich besser - nur bezüglich meinem Vater hätte ich dem Therapeuten noch etwas erzählen wollen und mir einen Rat erhofft.

                  Habe jedoch das Gefühl, dass das reines "Lästern" ist. Ich kann über meinen Vater leider nicht viel Gutes berichten, außer dass er das Geld mit nach Hause brachte und uns versorgt hat und manchmal recht vernünftige Gespräche möglich gewesen sind. Ich möchte jedoch nicht "lästern" oder schimpfen, weil es immer noch mein Vater ist und ich kein lästerndes Waschweib bin. Es geht mir nur darum, mir einen Rat einzuholen.

                  Was kann ich tun, um mich nicht so schlecht bzw. nicht wie eine "Lästernde" zu fühlen? Ich meine, ich geh da ja nicht grundlos hin und weil das so viel Spaß macht oder ich zu viel Zeit hätte. Musste mir für den Termin auch einen halben Tag freinehmen.

                  Würde mich über ein paar Sichtweisen von euch sehr freuen.
                  Lästern hat meistens nicht allzu viel mit der Wahrheit zu tun. Leute, die lästern, lassen andere Personen absichtlich schlecht dastehen. Du würdest ja nur sachlich erzählen, was zwischen deinem Vater und dir bzw der restlichen Familie vorgefallen ist. Wenn du das nicht möchtest, kannst du auch jede Wertung aus dem Spiel lassen und einfach nur wiedergeben, was Sache ist/war. Es ist wichtig, dass dein Therapeut sich ein Bild von deinem Vater machen kann, aber dazu ist es völlig ausreichend, wenn du ganz sachlich von ihm erzählst - ohne es irgendwie zu werten oder über ihn zu schimpfen.
                  Falls dir im Gespräch schwerfällt, bestimmte Dinge zu erwähnen, kannst du deinem Therapeuten auch sagen, dass du gerade Schwierigkeiten hast, die Sache in Worte zu fassen oder auch, dass es dir gerade wie Lästern vorkommt. Er wird wahrscheinlich auch nachfragen, wenn er etwas genauer wissen will, vielleicht fällt es dir ja leichter, die Fragen zu beantworten.

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                    #69
                    Zitat von Scarecrow Beitrag anzeigen
                    Du hast halt einfach sehr viel Frust in dir aufgebaut. Du hast seine Schikanen ewig und drei Tage ertragen und bist immer wieder aus Mitleid bei ihm geblieben und statt Dankbarkeit kam halt nur Zorn und ein Arschtritt zum Abschied. Dass du da aktuelle eher negative Gefühle hast ist ja nachvollziehbar.
                    Es ist richtig, ich habe das jahrelang mitgemacht und vielleicht den richtigen Absprung verpasst - besser spät als nie, aber es ist viel Frust vorhanden. Würde sogar sagen, es ist ganz viel Frust vorhanden. Ich wurde von ihm über Jahre hinweg wie seine persönliche Putze behandelt und dann noch beschimpft, musste seinen ganzen Schreibkram machen (keine Ahnung, wie das er jetzt macht, eventuell selber) und einen Dank gab es eigentlich nicht, eher einen fiesen Nachtritt.

                    Zitat von Scarecrow Beitrag anzeigen
                    Wenn der Therapeut der Meinung ist, dass du dich da in was verrennst oder so dann wird er da auch einlenken und das ansprechen.
                    Davon bin ich überzeugt. Habe ihn bei der ersten Sitzung als sehr nett erlebt und als kompetent und geduldig, aber er hat mir bei 1-2 Themen ebenso (und sehr plausibel mit viel Empathie) aufgezeigt, dass es "Projektion" wäre (an den Ausdruck kann ich mich gut erinnern, weil ich das Wort vorher noch nie gehört hatte). Das würde er jetzt mit Sicherheit auch wieder tun, wenn es berechtigt ist. Man kann mit ihm gut darüber sprechen.

                    Zitat von Emika Beitrag anzeigen
                    Lästern hat meistens nicht allzu viel mit der Wahrheit zu tun. Leute, die lästern, lassen andere Personen absichtlich schlecht dastehen. Du würdest ja nur sachlich erzählen, was zwischen deinem Vater und dir bzw der restlichen Familie vorgefallen ist. Wenn du das nicht möchtest, kannst du auch jede Wertung aus dem Spiel lassen und einfach nur wiedergeben, was Sache ist/war. Es ist wichtig, dass dein Therapeut sich ein Bild von deinem Vater machen kann, aber dazu ist es völlig ausreichend, wenn du ganz sachlich von ihm erzählst - ohne es irgendwie zu werten oder über ihn zu schimpfen.
                    Nein, ich würde wirklich nie wie du schreibst erzählen, was wirklich vorgefallen ist, was ich jahrelang mit ihm oder durch ihn oder vor der Trennung meiner Eltern durch beide Elternteile erlebt hatte (früher war meine Mutter schlimmer als mein Vater, zu dem ich eher das bessere Verhältnis hatte - wirklich optimal war's zu beiden nicht) und das, ohne es zu "kommentieren" oder aufzumotzen. Ich meine, es ist immer noch mein Vater - ohne ihn wäre ich nicht auf der Welt und er sorgte dafür, dass es uns finanziell recht gut ging, hat das Haus gebaut und sich um alles gekümmert, das muss ich ihm zugute halten und er hat mich auch bis zum Start meiner Ausbildung natürlich finanziert. Vielleicht bin ich diesbezüglich ein bisschen "überkorrekt" (mein Freund ist dieser Meinung) und habe zu viele Skrupel. Aber ich habe mit ihm einfach nicht so viel schönes erlebt.

                    Zitat von Emika Beitrag anzeigen
                    Falls dir im Gespräch schwerfällt, bestimmte Dinge zu erwähnen, kannst du deinem Therapeuten auch sagen, dass du gerade Schwierigkeiten hast, die Sache in Worte zu fassen oder auch, dass es dir gerade wie Lästern vorkommt.
                    Das ist ein ganz toller Tipp, vielen Dank dafür. Ich habe zu dem Therapeuten so viel Vertrauen, dass ich mir vorstellen könnte, ihm das zu sagen.

                    Zitat von Schlumpfxxx Beitrag anzeigen
                    Und in dem Moment ist es dann auch keine "Lästerei", sondern nur der Weg für dich, um dieses Problem zu verarbeiten. Ich finde, das ist schon ein großer Unterschied
                    Auch das stimmt. Ich gehe dort nur hin, um das nach und nach verarbeiten und aufarbeiten zu können, daraus zu lernen und die Vergangenheit besser zu begreifen, um damit abschließen zu können. Mein Freund und ich haben einen Kinderwunsch und ich möchte keine Mutter sein, die ihre eigenen psychischen Probleme an die Kinder weitergibt.

                    Vielen Dank für eure Hilfe, das finde ich toll. Es ist für mich ein riesiger Schritt gewesen, im März/April den ersten Termin zu vereinbaren. Mir fiel es jedoch leicht, diesen Termin zu vereinbaren, weil ich den Therapeuten als gut ansehe und er mir beim letzten Gespräch sehr half.

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                      #70
                      Ich war heute dort. Es hat wieder viel geholfen.Ich bin sehr dankbar, diesen Mann kennen gelernt zu haben und habe das Gefühl, es ist der passende Therapeut für mich. Auch die zweite "Sitzung" war sehr gut und ich fühlte mich all meinen Sorgen ernstgenommen. Ich möchte euch davon berichten. Er hat mir wieder viel erklären können.

                      Zitat von die-Aileen Beitrag anzeigen
                      ber ich hätte mir womöglich durch die schwierige Situation meinen eigenen, mich von den Eltern abgrenzenden Lebensstil gesucht und gefunden und hätte mir damit eine "Welt" und "Weltbilder" über Gut und Böse erschaffen, die ich auf andere "ausweite" und wer da nicht rein passt, wird nicht akzeptiert. Wäre nicht selten, wenn jemand mit seinen Eltern gespannte Verhältnisse hatte. Das einzige, woran ich leiden würde, wenn man das so sagen könnte, wäre in gewisser weise mein Umfeld, das ich mir selber abqualifiziere und dem ich unbewusst das Gefühl gebe, schlechter zu sein als ich.
                      Darauf gingen wir nochmal ein, weil ich dazu auch noch eine Frage gehabt hatte. Er hatte mir geantwortet, dass ich vielleicht einfach im falschen Umfeld bin und es nicht sein kann, wie mein Vater mich noch immer beeinflusst, dass ich jedoch als Tochter und Frau keinesfalls versagt hätte und auch nicht denken soll, ich wäre arrogant oder unfreundlich. Nur weil mein Umfeld mich in meinem Geburts-/Heimatort so wahrnimmt, würde es nicht heißen, dass ich das bin und er nimmt mich eher fürsorglich und konservativ wahr als arrogant oder überheblich. Ich sollte mich auch von dem Gedanken entfernen, psychisch krank zu sein. Er sagte mir, ich sei eine mutige und gereifte junge Frau, die Ziele und Wünsche hat und kurz davor steht, sie zu erfüllen - sich aber immer noch unterbewusst wie eine Zwölfjährige von den früheren Meinungen und Demütigungen der Eltern beeinflussen lasse, einzig daran müssten wir arbeiten. Er sagte, ich könnte jederzeit auf ihn zurückkommen, auch wenn ich von ihm nur ungern Medikamente erhalten würde - er sieht dafür keine Notwendigkeit.

                      Es könnte nur sein, dass ich mich "im Stich gelassen fühle" - als ich ihm von meinem zeitweiligen Nebenjob bei der Zeitung erzählt hatte, der für mich eine ganz schlimme Erfahrung gewesen war, war ihm einiges klar (das hat er bisher nicht gewusst und ich wäre von mir aus nicht drauf gekommen). Durch sein Fragen hat er mich an den Nebenjob erinnert und an meinen Frust darüber, dass ich von Leuten, über die oder für die ich kurzzeitig von Generalversammlungen und Ortschaftsratssitzungen berichtet hatte, hängen gelassen worden bin, als ich von denen mal was wollte und selbst ganz harmlose Fragen ignoriert oder blöd beantwortet wurde - als ein Termin war, war ich wieder "die liebe Aileen vorn und hinten, die das so toll macht und so schön schreibt". Da war dem Mann einiges klar und im Nachhinein hätte ich den Job nie annehmen dürfen, aber habe den Absprung noch gepackt, indem ich die Zusammenarbeit beendete. Er sagte, ich sei nicht für die Öffentlichkeit und Geselligkeit gedacht, sondern eine Frau vom Stamm "bis hierhin und nicht weiter" und das hätten diese Leute wohl der Reihe nach ignoriert und überspannt. Es war genau so. Ich war fasziniert, wie er Dinge beurteilen konnte, die er gar nicht wissen konnte und wie das alles auch ziemlich genau zutraf: Er hatte Gefühle und Abneigungen beschrieben, die ich in diesem Nebenjob wirklich gehabt hatte. Er glaubt, dass dieser Job auch ein Schlüssel zu meiner Frustration und meine Wut auf meinen Heimatort wäre und der Beziehung zu meinem Vater unbewusst nicht gut getan hätte.

                      Zitat von Emika Beitrag anzeigen
                      Leute, die lästern, lassen andere Personen absichtlich schlecht dastehen.
                      Das war nie mein Ziel und er hat das fast genauso formuliert. Er sagte mir auch,Arroganz sei immer ein Zeichen von Schwäche, Unsicherheit und Angst, und das könnte er bei mir alles nicht feststellen. Ich wäre vielleicht distanziert und in manchen Dingen konservativer und anders als andere junge Frauen, aber wenn ich damit zurecht komme (und ich komme gut zurecht/finde mich selbst sympathisch), wäre das nur ein Problem des falschen Umfelds.

                      Zitat von Emika Beitrag anzeigen
                      Falls dir im Gespräch schwerfällt, bestimmte Dinge zu erwähnen, kannst du deinem Therapeuten auch sagen, dass du gerade Schwierigkeiten hast, die Sache in Worte zu fassen oder auch, dass es dir gerade wie Lästern vorkommt
                      Dein Tipp war Gold wert, danke. Ich habe ihn genau das gefragt bzw. es ihm erklärt. Er sagte zu mir, dass es kein "Lästern" sei, sondern nur das reine Erörtern von Dingen, die mich momentan belasten - das hat mir schon geholfen, er hat mir jede Angst gleich genommen. Am Ende gab er mir Tipps, wie ich das Erlebte besser verstehen kann. Er meinte aus Erfahrung, dass ich die Erlebnisse mit meinen Eltern bzw. vorwiegend mit meinem Vater womöglich niemals so ganz vergessen könnte, aber ich könnte lernen, damit zu leben und es nicht mehr als Belastung anzusehen. Aber da könnte man zuversichtlich sein. Ich fand das Gespräch ganz toll.

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                        #71
                        Zufällig habe ich von einer früheren Nachbarin erfahren, dass mein Vater von einem anderen Nachbarn wegen Beleidigung und Sachbeschädigung angezeigt worden ist. Mit einer anderen Nachbarin, die ich sehr nett fand, liegt er seit einigen Monaten wegen eines Komposthaufens im Streit und hätte mit leeren Bierdosen nach ihr geworfen. Es ist traurig, aber ich bin froh, den Kontakt nicht mehr zu pflegen.

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