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Psychischer Schock?

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    Psychischer Schock?

    Hallo zusammen :-)

    Ich habe zwar schon länger nichts mehr in dieses Forum geschrieben, weiß aber auch nicht an wen ich mich sonst wenden soll. Ich fange demnächst eine Ausbildung zur Krankenschwester an, arbeite aber schon seit einem Jahr in der Psychiatrie (Entgiftungsstation) und konnte auch schon Erfahrung auf der Akutstation sammeln. Ich liebe meine Arbeit und kann mir nichts schöneres vorstellen, als anderen Menschen zu helfen. Nun benötige ich selber welche, weiß aber wie gesagt nicht, an wen ich mich da wenden kann.

    Mittlerweile geht es mir auch wieder ganz gut, allerdings sah das gestern abend noch ganz anders aus. Alles fing damit an, dass mein Freund mir sagte, er müsse mir was "voll krasses" auf seinem Handy zeigen (ein Video, das ein Freund von ihm auf FB hochgeladen hatte) Ich sah ein Video von der Autobahn, auf der wir jeden morgen zur Arbeit fahren, viele Polizeiautos und einen Krankenwagen und wurde schon ein wenig neugierig. Doch das, was ich sah, fand ich so furchtbar, dass ich sofort anfing zu heulen und gar nicht mehr klar denken konnte. Von der Autobahnbrücke, unter der wir fast jeden morgen durchfuhren, hing ein Mann runter, der sich aufgehängt hatte. Auf dem Video sah man zwar nicht viel, aber eben ganz deutlich, dass sich jemand umgebracht hatte.

    Ich fing sofort an zu weinen, stand auf, fasste mir an den Kopf und wusste gar nicht mehr, woran ich denken sollte. Mir war plötzlich so komisch, dass ich für einen Moment dachte, den Verstand zu verlieren. Mein Puls ging hoch auf 120 und ich fing an zu zittern, kaute an meinen Nägeln rum und sah 10 minuten lang immer nur dieses Bild vor mir. Mir wurde plötzlich ganz warm, obwohl es total kalt im Raum war.

    Ich würde gerne wissen, ob man diesen Zustand schon als "psychischen Schock" bezeichnen kann oder ob doch etwas anderes dahinter steckt. Dazu muss man sagen, dass ich eine sehr labile Persönlichkeit habe, schon früher unter Angstzuständen litt (zuletzt vor mehreren Jahren) und auch schon Panikattacken hatte. Auslöser dafür - und da bin ich mir sicher - war mein Vater, der meine Mutter, seit ich denken kann, immer wieder beschimpfte, bespuckte und auch schlug, was ich nie gesehen, aber mir schon immer denken konnte - und meine Mutter mir auch vor kurzem, jetzt, wo ich alt genug bin, bestätigte.

    Zum ersten Mal wurde dieses "komische Gefühl" ausgelöst, als sich meine Eltern mal wieder heftig stritten (da war ich ca. 5-6 Jahre alt) , beim 2. Mal war ich vllt. 1 Jahr älter und sah den Film "Signs - Zeichen", beim 3. Mal war ich 8 Jahre alt als ich dieses seltsame Gefühl bekam - einfach so. Ich hatte immer Angst in den Spiegel zu sehen, manchmal hab ich das heute noch und atme vorher tief durch. Ich bin einfach total labil und sensibel und habe oft Angst, mich zu verlieren.

    Meine Mutter leidet schon seit Jahren an Depressionen, ist bereits alkoholabhängig (trinkt ca. 2x die Woche 3-5 Bier am Tag) und mein Vater hat mittlerweile ebenfalls Depressionen, weil er seit seiner Jugend kifft und nun meint, dass er kaum noch Haare auf dem Kopf hätte, obwohl er ganz "normal" - im Gegenteil: sogar ziemlich gut - aussieht und auch mein Stiefvater hat eine psychische Störung (wegen traumatischer Ereignisse in seiner Kindheit), was man ihm jedoch überhaupt nicht anmerkt. Ich bin also schon mit so etwas aufgewachsen und arbeite auch deshalb so gerne in der Psychiatrie, eben weil ich mich schon immer dafür interessiert habe.

    Nun hab ich Angst, dass ich später eher Patient statt Personal bin und zweifle total an meinen Fähigkeiten. Sind Depressionen, Angstzustände etc. vererbbar oder "guckt" man sich so was als Kind eher ab? Und kann man das oben genannte schon als "psychischen Schock" bezeichnen oder würdet ihr genauso reagieren? Mein Freund fand es nämlich bei weeeeeitem nicht so schlimm wie ich, sonst hätte er es mir niemals gezeigt.

    Vielen Dank im voraus!
    Zuletzt geändert von Chouxi; 19.04.2014, 01:46.

    #2
    denke schon, dass man es als "psychischen schock" bezeichnen kann. allgemeine stressreaktionen in form von schwitzen, also dass dir ganz warm wurde, herzrasen, nägel kauen etc. das video hat vielleicht deine früheren verlustängste gegenüber deiner mutter reaktiviert und da du sowieso eine labilen psychischen zustand hast, kam dann eins zum anderen. grade weil es dann noch in einer umgebung war, die du täglich siehst, kann man noch weniger distanz zu dem gesehenen aufbauen.

    wobei ich es auch nicht besonders toll fände, so ein video zu sehen, und wahrscheinlich auch erstmal ein bisschen brauchen würde, um das zu verarbeiten. hoffe das video ist inzwischen entfernt, sowas gehört nicht auf fb.

    vererbbar sind psychische krankheiten nicht. nur die sensibiltät wird vererbt.
    inwieweit man die in der kindheit "mitgegeben" bekommt, wage ich nicht ausführlich zu beurteilen, da habe ich einfach zu wenig ahnung. denke aber schon, dass man gewisse verhaltensweisen seiner eltern als normal ansieht, welche eigentlich nicht normal sind. allein von der logik her, da kinder ihre eltern immer als vorbild nehmen.

    denke schon, dass du den leuten helfen kannst, und vielleicht dich selber besser verstehen kannst, wenn du lernst, wie du damit umzugehen hast. da kann man aber auch durchaus verschiedener meinung sein. scheinbar scheinst du ja auch in deiner jetzigen tätigkeit erfolgreich zu sein.

    freue mich übrigens, wieder von dir zu lesen.

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      #3
      Ich meins nicht Böse, aber wenn man in der Psychatrie arbeitet, sollte man schon Ahnung von Psychologie haben.
      Zur Not könntest du auch deine Ärzte oder Mitarbeiter fragen.
      sagst denen eben, du kennst da wer der....
      Musst den ja nicht sagen, das du psychisch krank bist.

      Zum einen gibt es tatsächlich eine genetische Disposition.
      Wenn in der Familie psychische Krankheiten sind ist die Wahrscheinlichkeit gross ´, das die Kinder auch psychisch krank werden.
      Neben der Vererbung spielt aber auch der Umwelteinfluss mit.
      z.B wenn man traumatische oder verstörende Erlebnisse gerade als Kind hat.
      Man missbraucht oder geschlagen wird. Eine Bezugsperson stirbt usw.

      Das Cannabis depressiv macht weiss ich aus eigener Erfahrung.
      Mit den Folgen des Kiffens kämpfe ich noch immer und zwei Menschen in meinem Leben haben sich wegen angekiffter Depressionen umgebracht.

      Was genau du nun hattest kann ich dir nicht sagen.
      Es war wohl die Reaktion eines sensible Menschens auf ein schreckliches Bild.

      Ich finde das Verhalten der Menschen sensationsgeil solche Bilder zu fotografieren und weiter zu schicken asozial.
      Hier ist mal wer aus dem Fenster gesprungen.
      Da hat auch so ein Mädchen gleich ein Foto gemacht und sofort weiter geschickt.
      Fand sie lustig. Ich finde solche Menschen verroht einfach nur.
      Das ist ja eine Sesationsgeilheit wie im alte Rom.

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        #4
        Ach ja, die A650...

        Was wäre so schlimm, wenn du dich wegen dieser Ängste behandeln lassen würdest?
        Darf ein Zahnarzt nie Zahnschmerzen haben?

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          #5
          Klingt auf jeden Fall nach einer psychischen Stressreaktion.
          Ich würde deinen Freund mal gehörig zusammenstauchen. Erst mal ist es absolut pietätlos, sowas zu fotografieren, und gerade wenn du schon eher sensibel bist, hätte er doch Rücksicht darauf nehmen müssen.
          Zu dem "Patient statt Personal": Es heißt ja oft, dass gerade Leute, die in dem Bereich arbeiten, häufig selbst psychische Probleme haben (und ich persönlich glaube, dass da was Wahres dran ist), aber wenn es dich bei deiner Arbeit nicht beeinträchigt, sehe ich kein Problem damit.

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            #6
            Vielen Dank für die ausführlichen Antworten!
            Ich finde es auch ekelhaft so etwas zu filmen und für mich sind die Leute, die sich daran "aufgeilen", auch bei weitem kranker als diejenigen, die so etwas berührt und traurig macht, aber was soll man dazu sagen. Mein Freund hat sicherlich auch nicht richtig gehandelt. Er hat es zwar nicht selbst aufgenommen, aber er hat es sich angesehen und mir anschließend gezeigt, weil er es so "krass" fand und das, obwohl er genau weiß, dass ich so empfindlich bin.


            @Borderbitch, da hast du schon recht, aber wenn man ein Freiwilliges Soziales Jahr macht, kennt man vorher natürlich nicht alle möglichen Krankheitsbilder :-D Das lernt man dann ja während der Ausbildung und einiges scheinen auch die examinierten Kräfte oder Ärzte nicht zu wissen, sonst wären nicht so viele Menschen mit Borderline so lange auf der Akutstation, wo sie völlig falsch behandelt werden oder einige Menschen viel zu lange oder viel zu früh fixiert worden. Wenn man selbst im Krankenhaus arbeitet, merkt man sowieso, dass das alles nicht so ist, wie es sein sollte, was ich sehr traurig finde.

            Dazu muss man sich immer wieder anhören, dass alkoholabhängige Menschen sowieso der letzte Abschaum und selbst Schuld an der Situation sind und gar nicht behandelt werden sollten, dabei guckt keiner was hinter der Sucht steckt und was für ein schreckliches Leben die meisten hinter sich haben und dass jeder, wirklich jeder, alkoholabhängig werden kann.

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              #7
              Zitat von Chouxi Beitrag anzeigen
              dabei guckt keiner was hinter der Sucht steckt und was für ein schreckliches Leben die meisten hinter sich haben und dass jeder, wirklich jeder, alkoholabhängig werden kann.
              Gerade das ist leider ein relativ "normales" Verhalten, zumindest bekomme ich sowas verdammt oft mit. Ich denke Menschen sind einfach zu faul da weiter drüber nachzudenken und basteln sich da irgendwie ihre Meinung zusammen. Ich denke die meisten interessieren sich auch nicht wirklich für die Hintergründe ...

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