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Mein Papa ist tot - wie soll es weitergehen?

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    Mein Papa ist tot - wie soll es weitergehen?

    Hallo!

    Achtung! Das wird ein langer Text. Trotzdem bin ich dankbar für jeden, der ihn durchliest.

    Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen kann und aufhören soll. Ich weiß, ich hab schon lange nichts mehr hier geschrieben, aber mir gehts zurzeit echt nicht wirklich gut und aus Erfahrung weiß ich, dass einem hier ganz gut geholfen werden kann.

    Wie ihr dem Titel entnehmen könnt, ist mein Papa tot. Er starb vor drei Wochen im Alter von 53 Jahren plötzlich an einem Herzinfarkt. Für mich war das ein schwerer Schlag. Ich bin erst 21 und hänge total an meinem Vater. Für mich ist das bis jetzt noch nicht wirklich real. Ich will es nicht wahrhaben! Ich warte jeden Tag, bis die Tür aufgeht und Papa ist wieder da. Das Begräbnis war der reinste Horror für mich. Momentan hab ich nicht mal einen Ort, wo ich hingehen kann, um bei meinem Papa zu sein, weil wir eine Feuerbestattung gewält haben und die Urnenbeisetzung erst in zwei Wochen ist.

    Ich könnte jeden Tag nur weinen, es tut einfach so unglaublich weh! Vor allem macht mich die Tatsache traurig, was mein Vater nicht mehr erleben wird. Er wird nie erleben, wie seine Kinder heiraten, wie er Opa wird und außerdem hat er sein Leben lang gearbeitet und das wirklich hart! Er hat quasi für die Arbeit gelebt und konnte nicht einmal die Früchte seines Erfolgs ernten und einen angenehmen Lebensabend während seiner Rente genießen! Das ist doch so unfair. Ich hatte so einen liebevollen Menschen als Papa, klar gabs mal Probleme, aber keine Familie ist perfekt. Dafür war er sehr aufopfernd, immer für uns da und in brenzligen Situationen konnte man sich seiner Unterstützung sicher sein. Auch bei der Arbeit war er sehr beliebt. Jeder mochte ihn und hat gut von ihm gesprochen. Warum muss dann ausgerechnet so ein toller Mensch so früh gehen?

    Es ist so, als wäre ein Teil von mir selbst gestorben und ich muss sagen, dass mein schlimmster Albtraum wahr geworden ist. Ich kann es gar nicht beschreiben, wie mir es gerade geht. Ich kann das einfach nicht akzeptieren und hoffe jeden Tag, das der morgige Tag wieder gut sein würde. Den Moment werde ich nie vergessen, als die Polizei um ein Uhr morgens bei uns geklingelt hat. Nie werde ich das vergessen, was ich mir gedacht habe, als meine Mama mich mit den Worten: Papa ist tot, geweckt hat. Ich dachte an einen Albtraum bzw. schlechten Scherz. Paradoxerweise habe ich sogar ein paar Wochen davor geträumt, dass mein Vater gestorben ist und somit dachte ich auch hier, es ist ein Albtraum, wann werde ich wach? Aus diesem Albtraum bin ich nicht mehr aufgewacht.

    Aber hier geht es jetzt eigentlich nicht nur darum. Ich habe versucht, das so ausführlich zu schildern, wie möglich, weil es jetzt eigentlich zum wesentlichen Thema kommt. Mit dieser kleinen Vorgeschichte wollte ich euch nur versuchen zu erklären, wie es mir jetzt eigentlich geht.

    Okay, nun zum eigentlichen Thema. Und zwar arbeite ich seit Februar neben dem Studium in einem Café. Anfangs gefiel es mir noch ganz gut, doch seit einiger Zeit stimmt das Arbeitsklima nicht mehr. Klar, ich habe nette Kollegen und auch eine Chefin, die ganz nett ist, doch jetzt kommt das große ABER. In Stresssituationen komme ich nicht mit ihr klar und Grunde schaut sie nur auf ihre eigenen 5 Cents.

    Sie hat zwar verständnisvoll reagiert, als ich ihr das gesagt habe. Ich musste dann die ganze Woche nicht mehr arbeiten (Freitags und Samstags hätte ich Dienst gehabt). Mein Vater ist Dienstagnacht verstorben, das Begräbnis war am Montag darauf. Am Freitag hätte ich dann gleich wieder arbeiten müssen, aber ich konnte nicht. Das verstand sie dann nicht wirklich und hat sich widerwillig einen Ersatz gesucht. Ich konnte das noch nicht so früh, immerhin kannte mein Vater viele Leute, es waren alleine 700 Leute beim Begräbnis und beim Beten ca. 100-200 Leute. Ihr könnt euch auch nicht vorstellen, wie viel Besuch wir in der Zeit bekamen.

    Also konnten wir uns dann darauf einigen, dass ich erst am darauffolgenden Freitag arbeiten gehe. Das war letzte Woche. Mein Dienst war von 14-18 Uhr. Danach wollte ich mit Freunden ins Kino und Essen gehen. Doch kurz vor 18 Uhr war meine Chefin auf einmal verschwunden. Ich war mit den Nerven ohnehin schon am Ende, weil mir auch im Cafe noch einige Leute Beleid gewunschen haben und außerdem - an dem Tag war Schulschluss und Sommermarkt. Die Leute haben getrunken und waren schon gut mit dabei. Ich konnte es nicht ertragen. Auch meine Freundin hat schon auf mich gewartet und dann ist es halt passiert. Auf einmal sind mir die Tränen runtergeschossen und ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen.

    Um halb sieben ist meine Chefin dann plötzlich zurückgekehrt. Ich habe gefragt, ob ich abrechnen darf und sie hat es nicht gerne getan, aber ich durfte. Während der Abrechnung krachte sie dann in die Küche und verdonnerte mich zum Abwaschen, weil ja sooo viel los war. Ich konnte echt nicht mehr aufhören zu heulen (und das kommt in der Gastronomie echt nicht gut). Irgendwann hat sie mich dann zur Seite geholt und mich richtig angeschnauzt. Sie hat gesagt, sie hat jetzt nicht Bock, als böse Chefin darzustehen, weil ich heule. Außerdem meinte sie, dass ich vorher ganz normal drauf war und seit meine Freunde hier sind, ich so mit dem Nerven am Ende bin und wenn ich das nicht ertragen könnte, dann dürften meine Freunde nicht mehr ins Cafe kommen. Die haben inzwischen auf mich gewartet und nichts zu trinken bekommen. Aber jetzt kommt das ärgste. Sie hat gemeint, wenn ich mit meiner Trauer nicht umgehen kann, dann müssen wir uns was anderes überlegen.

    Ich meine, ich konnte nichts dafür. Ich hab mich den ganzen Tag so zusammengerissen, aber irgendwann konnte ich einfach nicht mehr. Vor allem ging es wie gewohnt weiter. Ich meine gut, ewig können sie auch keine Rücksicht auf meine Situation nehmen, aber wenn ich gleich wieder kritisiert werde, was ich falsch mache (z.B. in einem Muskatellerspritzer kommt keine Zitrone bla bla bla), dann reagiere ich in so einer Situation auch sensibler, oder was meint ihr? Trotzdem plagt mich jetzt das schlechte Gewissen, darum zu meiner ersten Frage: habe ich irgendwie falsch reagiert? Hätte ich mich zusammenreißen sollen?

    Irgendwie habe ich jetzt jedes Mal einen Graul davor, arbeiten zu gehen. Morgen muss ich wieder und ich denke schon Tage davor daran. Es fühlt sich nicht gut an. Ich würde mich am Liebsten verkriechen. Mir ist klar, dass ich wieder ins normale Leben gehen muss und arbeiten muss. In der Realität ist es auch so, dass man nur drei freie Tage hat, aber ich glaube, ein ruhiges Büro und Gastronomie mit feiernden Menschen kann man nicht miteinander vergleichen, oder was meint ihr?

    Das alleine ist aber nicht der ganze Grund, warum ich vor morgen ein bisschen Angst habe. Erstens, weil die Mutter meiner Freundin oft was in dieses Cafe trinken gegangen ist und die ist jetzt so sauer, weil ihre Tochter nichts bekommen hat, dass sie morgen die Chefin ansprechen will. Und ich glaube, ich bekomm dann sicher noch was auf den Deckel und zweitens: sie will sich morgen sowieso noch mit mir zusammensetzen!

    Ich will einfach nur meine Ruhe haben. Ich bemühe mich und im Büro hätte ich keine Probleme. Schließlich versetzt mich Kopieren oder Rechnungen sortieren nicht in so einen argen Stress. Außerdem fühle ich mich nicht mehr wohl bei meinem Job, aber ich brauche ihn. Ich muss jetzt viele Dinge, die mein Vater für mich bezahlt hat (weil ich ja noch studiere), selbst bezahlen. Ich meine, das ist kein Problem und ich will das ja auch, weil meine Mutter muss jetzt immerhin auch ohne Papas Gehalt leben (ich weiß, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen herzlos, aber wir müssen ja auch sehen, wie unser Leben jetzt ohne Papa weitergeht). Ich weiß echt nicht, was ich machen soll. Ich hab schon total Bauchweh und hab echt nur mehr Angst. Ich suche zwar nebenbei Jobs, aber ich finde nichts in meiner Nähe, vor allem im Büro ist es echt schwer, als Studentin was zu bekommen, aber ich halts in der Gastronomie echt nicht mehr aus. Und ich WILL ja arbeiten und vll klingt es, dass ich sehr anspruchsvoll bin, aber ich will mich auch wohlfühlen in meiner Arbeit, wo auch im Bezug auf mein Studium Rücksicht genommen wird (das tut meine Chefin nämlich auch nicht. Ich musste oft vor wichtigen, schweren Prüfungen viel arbeiten) und das wichtigste: ich will meine Mama nicht enttäuschen.

    Aber ich habe schon einmal einen Fehler gemacht. Als mein Opa starb, hab ich es verdrängt. Die Folge aus der Story: Ich wurde essgestört und landete schließlich fünf Jahre später in der Klinik, wo ich erst die Trauer aufgearbeitet habe. Nochmal steh ich das nicht durch.

    Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Wie seht ihr die Situation. Danke, dass ihr euch diesen langen Text durchgelesen habt.

    #2
    Ich kann dich absolut nachvollziehen, wenn ein so naher Angehöriger stirbt wirft einen das für längere Zeit aus der Bahn und ich habe festgestellt, dass es erst nach ein paar Tagen am schlimmsten wird weil man zuerst mal so eine Schutzmauer aufbaut und gar nicht wirklich realisieren kann und will dass diese Person endgültig aus dem Leben verschwunden ist.

    Deiner Chefin ist das herzlich egal, die will nur dass der Laden läuft und sie hat zu dir offensichtlich keinerlei persönlichen Bezug. Mit ihrem Entgegenkommen wollte sie wohl hauptsächlich der Form genüge tun um nicht als Unmensch da zu stehen.

    Gerade in dem Gastronomiebereich, wo du ja ständig mit fröhlichen, ausgelassenen Menschen umgeben bist und auch selbst nach aussen hin immer lächeln musst, finde ich es in deiner Situation sehr schwer einen guten Job zu machen und selbst damit noch klar zu kommen. Da ist so ein Zusammenbruch aus kleinem Anlass, wie der dir passiert ist, absolut vorhersehbar.

    Es ist jetzt schwer dir da einen guten Rat zu geben, ich weiss nicht wie sehr du auf das Geld angewiesen bist und ob du es dir leisten kannst mal ein paar Wochen frei zu nehmen, aber das wäre sicher das Beste um wieder einen einigermassen klaren Kopf zu bekommen. Du solltest dir aber trotzdem Beschäftigung suchen wie z.B. mit Freunden etwas unternehmen um dich etwas abzulenken.

    Wenn das mit dem frei nehmen nicht geht kannst du deiner Chefin noch mal erklären, dass es sehr schwer ist immer ein Happyface aufzusetzen wenn es dir innerlich beschissen geht und du könntest fragen ob du in der nächsten Zeit in einem Bereich arbeiten kannst wo du keinen Publikumskontakt hast und deswegen nicht permanent eine Show abziehen musst, z.B. in der Küche.

    Was dein Essproblem angeht: Bei mir ist es auch so dass ich in Krisensituationen absolut keinen Hunger habe weil ich mental voll mit anderen Dingen beschäftigt bin. Das hält aber nur einige Tage an. Wenn sich das bei dir länger hinzieht und sich in der Vegangenheit schon mal zu einer richtig dauerhaften Esstörung entwickelt hat solltest du versuchen, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Das sagt sich leicht, ich kann dir da aber leider auch keinen besseren Tip geben.

    Ich wünsche dir alles Gute! Wenn dir danach ist kannst du mich auch gerne anschreiben.
    Zuletzt geändert von Jerry-Can; 11.07.2013, 00:50.

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      #3
      Also erstmal: Herzliches Beileid.
      Fühl dich von mir gedrückt! Es tut mir wirklich furchtbar leid, dass dir sowas schreckliches passiert ist und ich kann dich so gut verstehen. Die Beschreibung von deinem Vater trifft auch auf meinen perfekt zu, deswegen kann ich deine Trauer gut nachvollziehen, denn ich wäre auch sehr traurig, wenn er tot wäre. Wenn es dir hilft, kannst du mir gerne PNs schicken.

      Zu deinem Problem: Ich finde, du hast absolut richtig gehandelt. Du bist keine gefühlslose Maschine und man kann in so einer Situation nicht erwarten, dass du den Tod deines Vaters einfach mal verdrängst und schön arbeitest. Deine Chefin finde ich echt unmöglich. Vielleicht finden andere das übertrieben, aber ich würde an deiner Stelle kündigen und mir eine neue Stelle suchen. Ich arbeite seit kurzem z.B. nebenbei als Kassiererin in einem Modegeschäft, was mir echt Spaß macht und auch nicht besonders anstrengend ist. Vielleicht wäre das ja was für dich? Muss ja nicht unbedingt H&M sein, da kann ich mir schon vorstellen, dass es stressiger ist.
      Jedenfalls würde ich da nicht weitermachen. Du sollst dich an deinem Arbeitsplatz wohlfühlen und was deine Chefin da abzieht, geht einfach gar nicht. Ich find's unglaublich, dass sie dafür kein Verständnis hat.

      Ich hoffe, dass du wo anders einen Job findest und wünsche dir alles Gute und viel Kraft!

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        #4
        Sofern es ginge, dann wende dich an einen Seelsorger in Form eines Pfarrers/Pastors und rede mit ihm über deine Gefühle, Kummer und all das was du hier so geschrieben hast.

        Was studierst du?

        Erstens, weil die Mutter meiner Freundin oft was in dieses Cafe trinken gegangen ist und die ist jetzt so sauer, weil ihre Tochter nichts bekommen hat, dass sie morgen die Chefin ansprechen will.
        Kann deine Freundin sie davon nicht abbringen? Sicherlich war es schlimm das sie nichts zum Essen bekommen, aber du bist immer noch ihre Freundin oder will sie dir einen Denkzettel verpassen? Das hat sie eigentlich ja jetzt schon, weil du darüber schreibst und es nicht einfach abtust als wäre nichts gewesen.

        Das die Chefin dich nicht um 18 Uhr gehen lässt, obwohl vereinbart (gibt es da keinen Schichtwechsel mit Abkassieren und so?), ist natürlich nicht schön. Wobei das ja in der Gastronomie eh so eine Sache mit der Zeit ist. Ging es dir beim Weinen gegen 18 Uhr mehr um die Tatsache, dass deine Chefin noch nicht da war oder hat sich da einfach so viel angestaut? Kann sie dich eigentlich zum Abwasch verdonnern, obwohl deine Schicht schon länger zu Ende war?

        Ob du etwas falsch gemacht hast, kann man irgendwie so nicht sagen. Ob du dich zusammenreisen solltest ist genauso schwer zu beantworten. Die ganze Situation ist wahrscheinlich mehr als nicht leicht.

        Was du auf alle Fälle nicht tun solltest und hast du ja schon selbst richtig festgestellt: die Sache mit dem "nichts mehr essen" unterlassen.

        Du solltest auf jeden Fall schauen, dass du jemanden findest - am besten professionelles (nicht das du noch in falsche Hände gerätst) - der mit dir über deine Trauer spricht? Wie oben schon gesagt Pastor, Notseelsorge über Telefon/Gespräch, Terapeut.

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          #5
          Hallo sparkling_dream, sei ein gutes Team mit deiner Mama. Sicher könnt ihr Beide gemeinsam eine gute Lösung finden. Ich würde auf jeden Fall nochmal hingehen, aber mich gleichzeit um ne Alternative umsehen. Wenn's gar nicht geht, hörst du halt dort auf. Davon geht die Welt auch nicht unter. Beziehe deine Familie in die Entscheidung mit ein.

          aus Erfahrung weiß ich, dass einem hier ganz gut geholfen werden kann.
          Allein das Aufschreiben, so dass es andere verstehen können, hilft einem schon, finde ich. Es ist manchmal geradezu magisch ;-)

          viel Glück

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            #6
            Du musst jetzt sehen, wie es im Leben weitergeht. Du kannst deinem Vater, so traurig es auch ist, nicht dein ganzes Leben lang hinterhertrauern. Konzentriere dich auf dein Studium und wenn du mit deiner Chefin reden sollst, dann sag ihr einfach, was du fühlst. Du meintest, dass sie eigentlich ganz nett sein soll. Mach ihr einfach deutlich (am besten ohne Tränen), dass du sehr an deinem Vater gehangen hast und dass du seinen Tod nicht so schnell verdrängen kannst. Wenn sie kein Verständnis haben sollte, dann schau dich doch nach einem anderen Job um. Wenn du im Büro nichts findest, dann kannst du dich auch bei anderen Cafes oder Restaurants bewerben. Ich denke, dass du es schaffen wirst, deine Trauer zu überwältigen, denn du erscheinst mir sehr stark. Sei einfach offen mit deinen Gefühlen und versuche nicht, sie zu unterdrücken, denn wenn du versuchst, sie zu vergessen, dann belastet dich das nur noch mehr und kann unter Umständen deine Essstörung verstärken.

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              #7
              Hallo liebe sparkling-dream,

              ich habe eben erst deinen Text entdeckt. Ich sehe selten ins Frustforum.
              Und ja, ich hab es gelesen. Ich brauch ein paar ruhige Minuten, um vl noch länger zu schreiben. Gerade war ich noch dabei weniger Ernstes hier zu schreiben, und jetzt dein Beitrag. Uhhh.

              Für den Augenblick nur, und ich habe auch einen meiner Eltern verloren, weiss also wovon du redest:
              Erstens denke daran, was dein Papa für dich wollen würde! Sei hart, mache, und lasse dich nicht gehen, verliere nicht deine Interessen, und nicht deine Kontrolle über dein Leben!

              Und zweitens, ohne dass jetzt jemand anders mit Zweifeln kommt. Ich bin gar nicht besonders religiös oder so, sondern glaube einfach so, an sich sehr stark daran, dass nicht total Schluss ist. Ich glaube ernsthaft, dass was an dem Satz dran ist, dass die Liebe eine Brücke zum "Drüben" schlagen kann und empfinde es auch so. Nicht laufend, aber immer wieder mal in unregelmässigen Abständen. Und nach längerer Zeit hatte und habe ich sogar Träume, wo ich Besuch bekam. Sehr harmonische und tröstende.
              Ob mein Verstand mir da nur einen Streich gespielt hat und spielt? Ich weiss es nicht, aber ich glaube intuitiv sogar nein. Obwohl ich sonst bei den wirklich ernsten Dingen im Leben ein reiner Verstandesmensch bin (Quatsch machen ist eine ganz andere Schiene).

              Der Job ist wichtig, aber du bist doch jung. Es gibt immer Möglichkeiten. Das mit der ruhigeren Arbeit ist eigentlich nicht verkehrt. Zumindest fürs Erste.
              Falls es aber so schnell nicht hinhaut da was zu ändern, und du drauf angewiesen bist, dann versuche den Schalter im Kopf umzulegen und die Arbeit rational und eiskalt durchzuziehen.
              Solange es nicht brutal lieblos auf andere wirkt.

              Ich hatte damals die Nachricht am Telefon bekommen. Und ich hab in demselben Moment den Schalter im Kopf umgelegt. Die Wendung "Gebot der Vernunft" oder "Ruf zur Ordnung"
              ist nicht einfach nur ein bla-bla-Spruch. Ich habs so gemacht und tue es immer, wenn es einfach absolut nötig ist. Weil es nötig ist. Man weiss es dann einfach auch.

              Und was das Thema ES anbelangt. Chaos beim Essen hatte ich als Typ die ersten paar Wochen auch, aber dann kam der Appetit rasch wieder. Man braucht ja Kraft.

              Und ich weiss nicht, ob der Trick bei dir als 21-Jährigen auch funktioniert, mit dem ich erst vor paar Tagen ein viel jüngeres Mädchen hier zum Essen brachte, weil sie mich per PN anschrieb, um Hilfe bat, und partout nicht meinen Rat annahm, mal mit einer der Mods zu sprechen.
              Das Schluss-Argument das ich ihr dann noch nannte, war folgender:

              Du bist ein lebendiges Wesen, ein Mensch. Keine Puppe im Schaukasten. Mal als Beispiel: was ist dein Lieblingstier?
              Katze, Hundewelpe, sonstwas? Was würdest du tun, wenn du dich um ein Tierbaby kümmern müsstest und es futtert nichts?
              Richtig: lieb schauen, dass es frisst und fit bleibt. Nicht übertrieben sondern auf normale Weise.
              Sonst würdest du irgendwann mit dem armen Ding zum Arzt müssen.

              Vielleicht überzeugt dich das ja auch?

              Ich denke, das ist für den Augenblick das, was ich dir sagen kann.

              PS: Job im Tierheim, oder sogar mit Menschen, also Pflegeheim?
              Anderen helfen. Vielleicht (ich weiss es nicht) könnte sowas ja eventuell auch als Job in Frage kommen?
              Quietschpink macht lustig.........Gucci Gucci, Prada Prada? xD Brzzzz Brzzzz?
              Wenn Mädchen flennen, flenn ich mit. '-'
              »Stell’ Dir vor es geht...und keiner kriegt’s hin.« (W. Neuss)
              Was sitzt aufm Baum und winkt? ..... > Ein Huhu! ..... = LOL
              Ich weiss, dass ich ein Rad ab habe. Aber guck doch mal, wie schön es rollt...? Huiiiiiii!
              "Ich werde meinen nächsten Karneval nicht mehr erleben" (Karl Lauterbach zu Coronäh)

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                #8
                liebe sprakling dream, jeder mensch trauert anders also nimm die deine zeit so zu trauern wie du es brauchst um mit diesem schweren verlust klarzukommen. mit 21 bist du zwar faktisch erwachsen, was aber noch lange nicht heisst das man nicht doch noch seine Eltern braucht. wie wäre es wenn du dir mal 1-2 Wochen eine Auszeit nimmst und verreist oder so nur für dich allein um mit dir und deiner trauer klarzukommmen? denn ich denke das verarbeiten der trauer ist der erste schritt und die Basis zur lösung aller anderen Probleme. du könntest auch deinem vater einen Brief scjhreiben mit allem was du ihm noch sagen wolltest und ihm diesen ans grab legen... aber das sind alles nur Ideen und Denkansätze letzten endes must du selbst spüren was für dich der richtige weg sein kann deine trauer zu verarbeiten

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                  #9
                  Hey, mein Beileid. Ich weiß selbst, wie doof das ist, wenn ein sehr geliebtes Familienmitglied stirbt. Ich möchte Dir sagen, dass es gut ist, wenn Du dich nicht vergräbst usw. So wie ich das verstanden habe, tust Du das nicht. Den Schmerz kann man nicht runterschlucken. Aber Du könntest Dir eine Erinnerungskiste basteln. Darein könntest Du Fotos von Euch und Andenken an gemeinsame Urlaube reintun, oder einfach ein Halstuch o.ä. von Deinem Dad reinlegen. Dein Papa hatte vorher noch keine Krankheiten, oder? Wenn nicht, dann kann man in deinem Fall nicht sagen, dass er erlöst wurde. Das sage ich nämlich immer dann, wenn ich an meine verstorbene Oma denke: sie war erst 59 Jahre als sie starb und außerdem hatte sie Krebs, keinen Magen mehr usw. Immer wenn ich dann traurig bin, sage ich, der liebe Gott hat sie erlöst. Ich weiß nicht, ob Du an Gott glaubst, aber Dein Papa sieht aus dem Himmel alles was Du machst, ist Stolz auf Dich und freut sich mir Dir. Kopf hoch! Es ist nicht schlimm, wenn Du im Café weinen musst. Für mich ist es ein Zeichen, dass es Dich sehr bewegt und ich finde es falsch, wenn man das unterdrückt. Natürlich muss man sich manchmal zusammenreißen, aber lass es zu. Es ist nicht falsch! Aus diesem Grund kann ich deine Chefin nicht verstehen und ihre Meinung nicht unterstützen! Glaub mir, bald kannst Du wieder am richtigen, freudvollem Leben teilnehmen! Wenn es Dir hilft, sprich mit einer Person deines Vertrauens darüber oder heul` dich aus. Denk an Eure guten/schönen Erlebnisse. Ich wünsche Dir, dass Du stark bleibst, Dich nicht unterkriegen lässt und kämpfst! Das wird schon! Ganz liebe Grüße, Karibikfan.

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                    #10
                    Hallo sparkling_dream !

                    Das mit deinem Papa tut mir unendlich leid. Einen Elternteil zu verlieren ist wohl mit das Schlimmste, was einen widerfahren kann, vor allem wenn der Papa noch relativ jung war und es so plötzlich kommt.

                    Ich drück dich mal und wünsche dir für die nächste Zeit ganz viel Kraft, Stärke und liebe Menschen um dich rum, die dir zur Seite stehen und dich in deiner Trauer auffangen und begleiten.

                    Es gibt in jeder größeren Stadt Trauerberatungsstellen. Dort sitzen Leute, die professionelle Trauerarbeit mit Hinterbliebenen machen. Die Mama einer seht guten Freundin von mir ist vor einem Jahr auch gestorben, und meiner Freundin haben diese Gespräche bei der Trauerberatung unheimlich geholfen. Vielleicht ist das ja auch etwas für dich (und deine Familie).

                    Ich weiß nicht, in wie weit du finanziell auf diesen Job angewiesen bist, ansonsten würde ich dir wirklich raten: Nimm dir eine Ausszeit.

                    Du hast einen der wichtigsten Menschen in deinem Leben von einen auf den anderen Tag verloren. Niemand erwartet, dass du jetzt funktionierst, niemand. Es ist in so einer Ausnahmesituation völlig normal, dass man nicht mehr so weiter leben kann wie bisher. Sowas braucht Zeit, viel Zeit, nimm dir diese Zeit.

                    Es ist sooo wichtig, dass man die Trauer zulässt. Weine, wenn dir danach ist, rede über deinen Schmerz, über den Verlust, über deine Ängste. Und rede über deinen Papa. Du kannst auch mit deinem Papa reden, oder ihm einen Brief schreiben. Das kann so hilfreich sein.

                    Es ist auch okay, wenn du wütend bist, auf das scheiß Leben, auf das Schicksal, vielleicht auch auf deinen Papa, dass er dich zurück gelassen hat (auch wenn er nichts dafür kann).

                    Das alles ist jetzt wichtig, liebe sparkling_dream, nicht die Arbeit, der Job, sondern DU.
                    Was ist mit deiner Mama? Hast du Geschwister? Onkel, Tante, Cousine, Cousin, Oma, Opa?
                    Überleg mit anderen Menschen zusammen, wie es weiter gehen soll.

                    Ich wünsche dir alles Gute!

                    LG, Jarmila

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                      #11
                      PS: Job im Tierheim, oder sogar mit Menschen, also Pflegeheim?
                      Anderen helfen. Vielleicht (ich weiss es nicht) könnte sowas ja eventuell auch als Job in Frage kommen?
                      Kann man damit Geld verdienen? Insbesondere Tierheim oder grundsätzlich ehrenamtlichen Engagement, wohl eher nicht oder?

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                        #12
                        Es tut mir wahnsinnig Leid, was euch da passiert ist. Mein Papa ist im selben Alter und ich mache mir öfter Gedanken um seine Gesundheit. Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, wie es dir gerade geht. Aber Eines weiß ich genau: Wäre meine Chefin so mit mir umgesprungen, hätte ich sie zerstampft! Es ist klar, dass sie nicht ewig Rücksicht nehmen kann und dass ihr Laden trotzdem weiter gut laufen muss. Es kann auch sein, dass du ihr dabei im Moment einfach im Weg stehst, aber dann kann sie dir das auch in einem freundlichen Ton sagen und muss dich nicht zur Sau machen.

                        Der Kellnerjob ist in meinen Augen sehr undankbar und auch ohne Ausnahmesituation eine einzige Frechheit. Dass du dem Ganzen in deiner Situation nicht stand hältst, ist nachvollziehbar. Ich denke auch, dass du dringend einen ruhigeren Job brauchst. Was für Studenten immer gut passt, ist Verkäuferin. Bei Spar suchen sie laufend Studenten, da kannst du entweder an der Kasse sitzen oder auch nur Regale einräumen. Du hast zwar auch zum Teil mit Menschen zu tun, musst aber keine gute Laune versprühen, bloß freundlich sein. So bist du nicht so unter Druck wie als Kellnerin und Stress hast du auch keinen solchen.

                        Ich wünsche dir und deiner Familie alles erdenklich Gute und viel Kraft!

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                          #13
                          Zitat von randomname Beitrag anzeigen
                          Kann man damit Geld verdienen? Insbesondere Tierheim oder grundsätzlich ehrenamtlichen Engagement, wohl eher nicht oder?
                          Definitiv nein. Sozialbereich, ob Mensch oder Tier, bezahlt in den seltensten Fällen.

                          Kommentar


                            #14
                            Zitat von Klangfarben Beitrag anzeigen
                            Definitiv nein. Sozialbereich, ob Mensch oder Tier, bezahlt in den seltensten Fällen.
                            ich hatte es als bezahlten Job nebenher zum Studium. Also Menschen. Es soll auch nur ein Impuls für mögliche Alternativen sein, die vl nebenher auch tröstend wirken könnten. Das weiss sie aber selbst am besten, wenn sie sich schlauer macht.
                            Quietschpink macht lustig.........Gucci Gucci, Prada Prada? xD Brzzzz Brzzzz?
                            Wenn Mädchen flennen, flenn ich mit. '-'
                            »Stell’ Dir vor es geht...und keiner kriegt’s hin.« (W. Neuss)
                            Was sitzt aufm Baum und winkt? ..... > Ein Huhu! ..... = LOL
                            Ich weiss, dass ich ein Rad ab habe. Aber guck doch mal, wie schön es rollt...? Huiiiiiii!
                            "Ich werde meinen nächsten Karneval nicht mehr erleben" (Karl Lauterbach zu Coronäh)

                            Kommentar


                              #15
                              Ich danke euch für die vielen Antworten und die lieben Worte. Das alles durchzulesen hat mir wirklich sehr geholfen. Heute hatte ich ein Gespräch mit meiner Chefin. Dort war sie sehr einfühlsam, so hab ich sie noch nie erlebt. Ich konnte mit ihr über alles sprechen und ich habe auch gemerkt, dass sie doch nicht so ist, wie ich in letzter Zeit oft den Eindruck hatte.

                              Sie hat gemeint, dass sie meine Arbeit sehr schätzt und die Gäste eigentlich immer sehr gut über mich gesprochen haben, vor allem zu der Zeit, wo ich alleine gearbeitet habe und sie wollte wirklich wissen, wie es mir geht. Irgendwie fand ich das total lieb von mir, dass sie so auf mich eingegangen ist. Wahrscheinlich ist sie nur in den Stresssituationen so ungenießbar. Das muss man in Kauf nehmen, vor allem steht hinter ihr auch noch der Druck von ihrem Laden, denn immerhin ist das auch ihr Lebensunterhalt. Ich habe beschlossen, dass ich es nochmal versuchen werde. Ich habe so das Gefühl, dass es wieder laufen kann, vor allem heute habe ich gut gearbeitet und da war sie auch sehr zufrieden mit mir. Darum möchte ich ihr und dem Café unbedingt noch eine Chance geben.

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