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Moral

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    #46

    oh?
    Ich brauch etwas Zeit. Bin auch schon zu müde. Ist aber vermerkt. ^^
    Quietschpink macht lustig.........Gucci Gucci, Prada Prada? xD Brzzzz Brzzzz?
    Wenn Mädchen flennen, flenn ich mit. '-'
    »Stell’ Dir vor es geht...und keiner kriegt’s hin.« (W. Neuss)
    Was sitzt aufm Baum und winkt? ..... > Ein Huhu! ..... = LOL
    Ich weiss, dass ich ein Rad ab habe. Aber guck doch mal, wie schön es rollt...? Huiiiiiii!
    Wär ich ein Mädchen, hätte man mich Melanie genannt. Hmpf? xD

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      #47
      Die Frage, ob Tiere eine Moral haben, ist schwierig zu beantworten. Ich bin nun mal Biologe und kein Philosoph, insofern sei mir bitte verziehen, wenn ich dieses sehr viel komplexere Thema nur von meinem begrenzten Fachgebiet aus beleuchten kann.

      In anderen Threads habe ich schon darauf hingewiesen, dass es unwissenschaftlich ist, die menschliche Gefühlswelt auf Tiere eins zu eins zu übertragen. Wenn wir verstehen wollen, was und wie Tiere fühlen, dann müssen wir aufhören uns zu fragen, wie wir uns an Stelle des Tieres fühlen würden. Sondern eher sollten wir uns fragen, wie es ist, Tier zu sein; wir müssen also nicht den Menschen in den Mittelpunkt rücken, sondern das Tier. Anthropomorphismen sind nicht unbedingt verkehrt, nur gehen viele die falsche Richtung. Zoozentrisch anstatt anthropozentisch, das wäre der Weg.
      Lange Rede, kurzer Sinn. Das Konzept von Moral eins zu eins auf Tiere zu übertragen, ist daher unsinnig.

      Zweitens möchte ich festhalten, dass es zu eng gedacht ist, sämtlichen Tieren sämtliches Moralempfinden abzusprechen. Wir wissen heute sehr viel darüber, wie Leben auf der Erde entstanden ist und wie es sich entwickelt hat. Wir kennen nicht sämtliche Details, aber im Wesentlichen ist die Evolutionstheorie verstanden und als Fakt anerkannt. Heute ist unstrittig, dass Evolution existiert (das sehen zwar nicht alle so, aber um das näher zu beleuchten, bedarf es eines eigenen Threads. Wenn Interesse besteht, kann ich ja mal einen Evolutions-Thread auf machen?).
      Wir wissen heute, dass der Mensch nicht über den Tieren steht, sondern nur ein Ast von vielen innerhalb der Tiere ist und wir wissen, dass auch Verhalten zumindest teilweise (wenn auch nicht ausschließlich) eine genetische Komponente besitzt und damit der Evolution unterworfen ist. Demnach ist es nur logisch anzunehmen, dass evolutionär nahe verwandte Arten in ihrem Verhalten nah verwandt sind - sich ihr Verhalten also stark ähnelt, weil es auf gemeinsame Vorfahren zurückgeht. Auch wir Menschen sind ja nicht als tabula rasa zur Welt gekommen, sondern haben einen Grundstpck unseres Verhaltens von den gleichen Vorfahren geerbt, auf die eben auch andere Menschenaffen zurückgehen. Und genau das beobachten wir ja auch, wenn wir uns in der Natur umsehen. Diejenigen Arten, an denen wir sehr viel von unserem eigenen Beobachten entdecken können, sind Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans, wohingegen das Verhalten einer Schmeißfliege oder eines Regenwurms wesentlich weniger Parallelen zu unserem zeigt.

      Nun wurde hier in der Diskussion schon ein weiteres Wort in den Raum geworfen, der Altruismus. Gibt es altruistisches Verhalten überhaupt? Ich denke schon, aber wahres altruistisches Verhalten ist oft schwer zu erkennen und andererseits zeigt sich, dass als altruistisch verstandenes Verhalten oft bei genauem Betrachten gar nicht so altruistisch ist, wie man meinen könnte. Sondern im Gegenteil sehr egoistisch.
      Aber der Reihe nach. Zunächst mal muss man festhalten, dass Sozialleben alleine nicht mit Altruismus gleichgesetzt werden darf. Es gibt zahlreiche Tiere, die in Sozialverbänden leben und keinerlei Altruismus zeigen. Denken wir nur an große Gnuherden in der Serengeti. Die Tiere leben dort zwar in einer Gemeinschaft, aber trotzdem ist sich dort jeder selbst der nächste. Schauen wir uns Löwenrudel an, stellen wir fest, dass Löwen nur scheinbar altruistisch gemeinsam jagen. In Wirklichkeit versucht auch hier jeder vom Kuchen das größte Stück zu bekommen und ein Löwe, der beispielsweise im Alleingang eine Antilope erlegt hat, wird einen Teufel tun und seine Artgenossen zum gemeinsamen Fressen rufen. Der Vorteil des Lebens in Rudeln beim Löwen ist sowieso ein anderer: die Jungtieraufzucht wird leichter. Während die anderen Löwinnen jagen gehen können, ist immer jemand da, der auf die Jungen aufpasst. Dabei beobachtet man ein weiteres Phänomen: Löwinnen säugen Junge, die nicht ihre eigenen sind. Also ein selbstloses Verhalten, sprich altruistisch. Oder? Der Definition nach ist Altruismus ein Verhalten, das zum Nutzen eines Empfängers ist, wohingegen das Gebertier aus aus diesem Verhalten keinen Nutzen zieht, sondern sogar Kosten trägt. Indem die Löwin ein fremdes Junges säugt, erhält das Junge also einen Vorteil, die Löwin aber einen Nachteil, denn Milchproduktion ist anstrengend und die Milch geht ihrem eigenen Nachwuchs verloren. Aber ist das wirklich so? Wir müssen schon etwas genauer hinsehen.
      Die Fitness eines Individuums ist einfach ausgedrückt sein Vermögen, seine eigenen Gene im Genpool zu verbreiten. Hinsichtlich der Evolutionstheorie heißt das, wer sich erfolgreich fortpflanzt, bringt seine Gene erfolgreich in der Folgegeneration unter. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint aber gerade altruistisches Verhalten als evolutionär völlig unsinnig. Denn das Säugen eines fremden Jungtiers schadet dem eigenen Nachwuchs und schmälert damit unter Umständen die eigene biologische Fitness. Wenn wir genau hinsehen, stellen wir fest, dass es noch einen anderen Weg gibt, seine Gene zu verbreiten."Unsere" Gene existieren bekanntlich nicht nur in uns selbst, sondern als Kopien auch in Verwandten. Wir müssen bei der Gesamtfitness eines Individuums zwischen seiner direkten Fitness durch eigene Nachkommen unterscheiden und der indirekten Fitness durch Verwandte. Wir müssen hierzu einen weiteren Begriff einführen, den Verwandtschaftskoeffizienten, abgekürzt mir "r". Für alle Interessierten, hier hat "Darwinist" mal etwas ausführlicher den Begriff Verwandtschaftskoeffizient erläutert. Keine Ahnung, wer das ist. An dieser Stelle soll uns als Erklärung reichen, dass der Verwandtschaftskoeffizient Auskunft darüber gibt, wie nahe zwei Individuen miteinander verwandt sind, wie viele ihrer Gene sie also miteinander teilen. Je größer r ist, umso mehr Gene kommen in beiden Individuen vor.
      Der Soziobiologe William Hamilton hat den Begriff der Verwandtenselektion maßgeblich geprägt durch seine nach ihm benannte Hamilton's Rule, die eine Erklärung für scheinbaren Altruismus liefert. Er bricht alles auf eine ganz einfache Formel herunter. Demnach "lohnt" sich altruistisches Verhalten, wenn folgende Bedingung erfüllt ist:

      r * B > C

      wobei r für den Verwandtschaftskoeffizienten steht. B bezeichnet den Nutzen, der dem empfangenden Tier entsteht (benefits) und C die Kosten, die dem Spender entstehen (costs). Das bedeutet, dass sich altruistisches Verhalten über den Umweg der indirekten Fitness für das Spendertier lohnen kann. Denn einem Gen ist es egal, ob es durch eigene Nachkommen weitergegeben wird oder durch Verwandte. So ist beispielsweise der Verwandtschaftskoeffizient zu eigenen Nachkommen mit 0,5 ebenso groß wie zu Vollgeschwistern; man kann also an seiner Gesamtfitness einen ebenso großen Beitrag leisten, wenn man dabei hilft, Vollgeschwister aufzuziehen wie man das durch eigene Nachkommen tun könnte.
      Kehren wir zum Löwenrudel zurück. Die Löwinnen eines Rudels sind alle miteinander verwandt. Damit ist eine einzelne Löwin mit dem Nachwuchs aller anderen Löwinnen eines Rudels verwandt. Die Jungen mögen im Einzelfall nicht ihre eigenen sein, ihre Aufzucht ist trotzdem ein Beitrag zur Gesamtfitness dieser Löwin. Damit ist dieser scheinbare Altruismus also ziemlich egoistisch, denn die Löwin kann dadurch ihre Fitness vergrößern.
      Das ist auch der Grund, warum Bienen im Staat leben. Es ist eigentlich paradox, dass die Arbeiterinnen zugunsten der Königin auf Fortpflanzung verzichten. Schaut man sich den Verwandtschaftskoeffizienten an, ist das Bild aber ein ganz anderes. Dann wird deutlich, dass sämtliche Arbeiterinnen eines Staates untereinander näher miteinander verwandt sind als mit der Königin, also ihrer eigenen Mutter. Das liegt daran, dass Drohnen nur einen haploiden Chromosomensatz haben. Die Hälfte des diploiden Chromosomensatzes einer Arbeiterin stammt also von einem gemeinsamen Vater (0,5). Da die Königin einen diploiden Chromosomensatz hat und "ihre" Gene auf die restliche Hälfte des Arbeiterinnengenoms verteilt, sind statistisch gesehen von der Hälfte wiederum 50 % identisch, also mit anderen Worten 25 Prozent. Die 50 % der Drohne plus die 25 % über die Königin ergeben also einen Verwandtschaftskoeffizienten von 0,75 zwischen zwei beliebigen Arbeiterinnen eines Stocks. Der Verwandtschaftskoeffizient zwischen einer Königin und ihrem eigenen Nachwuchs ist dagegen ganz normal wie bei eigenem Nachwuchs bei "nur" 0,5. Das komplexe Sozialleben der Bienen erklärt sich also durch den hohen Verwandtschaftsgrad.

      Echtes altruistisches Verhalten finden wir demnach also eigentlich nur dann vor, wenn man ausschließen kann, dass die Individuen miteinander verwandt sind. Dafür gibt es inzwischen auch etliche Beispiele aus der Verhaltensforschung. Aber es ist klar, dass auch dieses "echte" altruistische Verhalten evolutionär einen Nutzen haben muss, sonst wäre es nicht entstanden. Wie der russisch-amerikanische Evolutionsbiologe Theodosius Dobzhansky formulierte: "Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution." Eine interessante Studie, die dazu vor einigen Jahren veröffentlicht wurde, zeigt eindrucksvoll, wie wichtig altruistisches Verhalten und ein intaktes Sozialleben gerade für uns Menschen ist. Eine Arbeitsgruppe um Holt-Lunstad und Kollegen untersuchte 2010 insgesamt 148 Einzelstudien mit 300.000 Einzeluntersuchten und fasste die Ergebnisse in einer Metastudie zusammen. Demnach haben Patienten, die eine schwerwiegende Krankheit haben, eine bis zu 50 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit, wenn sie ein intaktes Umfeld um sich herum haben als wenn sie auf sich gestellt gegen ihre Krankheit kämpfen müssen. Sich beispielsweise bei einer Krebserkrankung zurückzuziehen, um den Freunden und der Familie nicht zur Last zu fallen, ist also genau der falsche Weg.

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        #48
        Zuerst einmal sollte geklärt werden, was ist eigentlich Moral?
        Zitat aus Wikipedia : Moral bezeichnet zumeist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen.
        Es hat also schon mal nichts mit Emotionen oder Gefühlen zu tun.
        Wie jeder weiß, haben viele Rudel strenge Regeln und jeder eine festgelegte Aufgabe innerhalb des Rudels. Somit kann man also sagen; Ja, es gibt auch eine Art von Moral bei den Tieren. Aber es hat natürlich nichts mit der kirchlichen Moral zu tun. Einem Tier ist Religion egal. Ein Tier macht sich auch keine Gedanken über das Leben nach dem Tod. Ein Tier lebt im hier und jetzt.

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